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Donnerstag, Dezember 1, 2022

Train Simulator 2020 – Review | Test

Ich kenne das noch aus der Kindheit – Modelleisenbahnen. Damals ein sündteures Hobby, dass man sich nur schwer leisten konnte. Und wenn, dann waren die Strecken in meinem Fall meistens klein und überschaubar. Doch die Begeisterung war groß, als dann nach dem Aufbau der erste Zug langsam vom Stellwerk auf die Strecke seinen Weg fand. Dieses Gefühl, wenn man am ersten Bahnhof hielt und seine imaginären Passagiere aufnahm.

Doch die Tage meiner Kindheit sind lange her, die Zeit und auch der Platz sind weniger. Doch dank dem Entwickler Dovetail Games kann ich mir den Platz sparen und reale Strecken auf dem Computer genießen. Halten Sie die Bahnsteigkante frei – Train Simulator 2020 fährt am Bahnhof der Gameswelt ein!

Was ist dieser TrainSimulator eigentlich? TrainSimulator ist ein Simulationsspiel, welches es ermöglicht mächtige Lokomotiven aus der ganzen Welt auf vielen verschiedenen Strecken zu fahren. Ab in den Führerstand einer Diesel-, elektrischen oder Dampf-Lokomotive um Fahrgäste und Güter an ihren Bestimmungsorten abzuliefern. Diese Erfahrung wird kombiniert durch Fahrpläne und Fahrdienste aus der realen Welt, welche gleichzeitig auch bedient werden wollen.

Grafisch lässt sich der Entwickler hier einiges einfallen. Neben dem unglaublichen Realismus, den die Züge innen wie außen mit sich bringen, liefert das Spiel Optionen wie Umgebungslicht, Sonnenlichtstärle, Vignette und Sichtfeldsteuern, mit denen jeder Benutzer steuern kann, wie das Spiel aussieht. Auch die Ansicht kann jederzeit vom Spieler selbst kontrolliert werden. Den Zug als Passagier genießen? Kein Problem, setzen wir uns einfach nach hinten (und sollten dabei aber nicht das Fahren vergessen – ich habe meinen Bahnhof verpasst!). Oder doch lieber aus dem Fenster lehnen und rausschauen? Auch möglich. Neben den genannten Möglichkeiten bietet TrainSimulator 2020 noch verschiedene Ansichten während der Fahrt, so zum Beispiel die Helikoptersicht, die Freie Ansicht oder eine einfache “von Oben” Sicht. Jedem bleibt an dieser Stelle selbst überlassen, wie er die Fahrt sehen möchte. Verwaltet wird alles vom Motor über Fahrgäste, Sicherheitssysteme, Signalanlagen und vieles mehr. Das alles vom Führerstand aus. Die Steuertafeln entsprechen dabei haargenau denen realer Züge.
Außerdem stehen zusätzliche Filter für Screenshots bereit, darunter Vignette, Sepia, schwarz/weiß und viele mehr.

Das Gefühl während der Fahrt ist gut. Über Tastenkürzel können die einzelnen Funktionen gesteuert werden. Alternativ kann der Kenner auch die Funktionen direkt über die Steuertafeln steuern. Spätestens dann weicht der letzte Funke an Skepsis und die Fahrt wirkt noch ein Stück realistischer, als es zuvor eh schon der Fall war. Daneben kann man sich den Fahrplan / die Aufgaben, welche zu erledigen sind, einblenden und erhält dadurch auch ein Zeitfenster. Innerhalb diesen Zeitfensters sollte man natürlich den Fahrplan einhalten – wobei sich der erfahrene Bahnfahrer hier die Frage stellen könnte, ob auf der deutschen Strecke Unpünktlichkeit nicht realistischer wäre.

Und das führt mich auch direkt zu den Strecken. Beim Kauf sind drei Strecken enthalten. Aus den USA die Norfolk Southern N-Line (mit ca. 46 Kilometer Strecke). Diese stellt eine Güteranbindung von Salisbury nach Halls Ferry dar. Beide Städte liegen im Staat North Carolina und können nur per Güterzug angefahren werden. Der klassischen Charme von South Carolina kann hier in Herausforderungen der Industrie mit Rangierern wie GP38-2 und dem GP40-2 genossen werden.

Aus Großbritannien kommt die South Western Main Line (mit ca. 56 Kilometern). Hier verkehren nur Passagierzüge. Neben den beiden Städten Southampton und Bournemouth gibt es hier auch die Nebenstrecke nach Lymington Pier – ebenfalls befahrbar! Mit dieser Strecke kann man Teil von täglich über 140 Zügen werden Details der britischen Südküste genießen – über Häfen bis zum sommerlichen Meer. Dies geschieht als Führer der BR Baureihe 444 oder BR Baureihe 450.

Die längste der drei Strecken ist die deutsche Strecke von Nürnberg nach Regensburg (mit ca. 100 Kilometern). Hier fahren Regionalexpress- und S-Bahnen, sowie Güterzüge. Diese Strecke ist exklusiv im TrainSimulator 2020 erhältlich und kann nicht einzeln erworben werden. Hier können auch historisch nachgebildete Bahnhöfe betrachtet werden. Mitgeliefert wird für diese Strecke der Passagierzug DB BR 440 oder der BR 442. Alternativ für Frachtaufträge kann die Führerkabine des BR 185 betreten werden.

Meine persönlich bevorzugte Strecke während des Tests war die von Nürnberg nach Regensburg. In der Passagieransicht kam sogar ein bisschen die alte Erinnerung an die eigenen Fahrten auf dieser Strecke auf. Soweit es zu beurteilen war, sind die Strecken realistisch gehalten und auch die Sprachausgabe in den Zügen ist super. Ich hätte mir hier noch die Möglichkeit gewünscht, als Kontrolleur selbst durch den Zug zu laufen – aber das ist an diesem Punkt meckern auf hohem Niveau.
Doch ich habe grundlegend nur sehr wenig Bezug zu realen Zügen – daher war ein Besuch der TS Academy zuvor eigentlich Pflichtprogramm. In dieser Art von Tutorial lernt man verschiedene Züge kennen und kann seine virtuelle Lokführerkarriere beginnen. Dabei ist es egal ob Elektrisch, Diesel oder Dampflok – im Verlauf der TS Academy lernt man einige der beeindruckendsten Züge der Welt kennen und steuern. Für jeden, der noch keinen Kontakt mit TrainSimulator hatte ein absolutes Muss. Ausser natürlich man ist Lokführer im realen Leben.

Wem die Strecken und vorhandenen Züge nicht reichen, der hat die Möglichkeit über den Steam Workshop aus der Community erstellte Strecken herunterzuladen. Oder etwas eigenes kreieren? Im enthaltenen umfangreichen Train Simulator Editor gibt es zahlreiche Werkzeuge um lebendige Welten zu schaffen. Eine eigene Eisenbahnstrecke zu erstellen und im Anschluss zu befahren macht – nach etwas Einarbeitung – echt Spaß. Wer hier richtig begeistert loslegen möchte, hat also durchaus die Möglichkeit, realistische Strecken nachzubauen – was durchaus von der Community schon getan wurde.
Schnell weckt das dann wie bei der realen Modelleisenbahn die Sammelwut – Strecken, Züge und weitere Inhalte sind im Steam Store erhältlich. Hunderte von verfügbare Addons sollten eigentlich für jedes Interesse etwas bieten um die eigene Sammlung zu erweitern. Doch leider beweist der TrainSimulator auch an dieser Stelle realitätsnähe – denn die Preise für Strecken und Züge sind zwar günstiger als die von realen Modelleisenbahnen, aber dennoch nicht günstig. Möchte man zum Beispiel die BR 86 haben zahlt man 13,99 Euro dafür. Möchte man alle vorhandenen Erweiterungen für den Train Simulator kaufen zahlt man über 6.000,- Euro. Definitiv nur etwas für wahre eingefleischte Fans der Serie.

Wer jedoch begeisterter Zugfreund oder Fan der Reihe ist, erhält mit Train Simulator 2020 ein wunderschön gestaltetes Spiel mit einer komplexen Steuerung. Und auch wenn die Arbeit im Detailgrad der Züge sichtbar ist, so sind die Preise welche hier aufgerufen werden ein stolzes Sümmchen. Hier muss letztendlich jeder selbst entscheiden, ob ihm die vorhandenen Strecken und Züge ausreichen und wenn nicht, womit man seinen Fuhrpark erweitern möchte.

Train Simulator 2020 ist bereits für PC verfügbar.

Train Simulator 2020 – Review | Test
8.5
Grafik
6.5
Sound
6.5
Steuerung
6.5
Spiele Spaß
4
Preis Leistung
Gesamtwertung 6.4 / 10
Unser Fazit
Als persönliches Fazit kann ich das Spiel jedem begeisterten Modelleisenbahner bestens empfehlen. Doch für den Casual-Simulations-Spieler sind die Züge wohl letztendlich einfach Züge. Das verändert den Blick auf das Ganze, was letztendlich leider eine Veränderung der Wertschätzung bei den Details bedeutet. Wo ein Enthusiast mit Sicherheit begeistert von dem extrem hohen Detailgrad der Züge und insbesondere der Führungskabinen sein wird, so verliert sich das bei anderen. Auf der anderen Seite hat TrainSimulator das Potenzial aus jedem "Casual-Simulations-Spieler" einen wahren Eisenbahnfreund zu machen.
Michael Barkow
Michael Barkowhttps://www.twitch.tv/gutertag_streaming
1989 erblickte ich das Licht dieser Welt - und bereits 1998 entdeckte ich das Zocken; damals noch mit Command & Conquer: Alarmstufe Rot von 1996. Seitdem bekommt mich die Gamingwelt nicht mehr los. 2005 begann dann für mich die Reise in World of Warcraft und die MMO-Szene hatte mich begeistert. Seitdem habe ich vieles gesehen und erlebt und hüpfe immer mal wieder von einem zum anderen MMO, da ich es nie ganz sein lassen kann. Mit meiner 2015 geborenen Tochter habe ich aber etwas gefunden, dass noch mehr Interesse und Begeisterung weckt. Da das Leben mit Familie tagsüber fesselt, habe ich das Streamen und Zocken am Abend für mich entdeckt. Somit bekommt das Zocken weiterhin seinen Platz in meinem Alltag.

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