Eine neue Studie des Cybersicherheitsunternehmens Surfshark analysiert das Suchinteresse nach Cheats in den 15 beliebtesten Online-Multiplayer-Spielen. Die Ergebnisse machen deutlich, welche ernsthaften Cyberrisiken durch Schadsoftware entstehen, die Spieler:innen einsetzen, um sich unfaire Vorteile zu verschaffen. Die Analyse zeigt: Call of Duty führt die Liste mit 66 Suchanfragen pro 1.000 Spieler:innen an. Dahinter folgen Rocket League mit 59 und Rainbow Six: Siege mit 53 Suchanfragen pro 1.000 Spieler:innen.
Darüber hinaus zeigt die Untersuchung, dass actionorientierte Spiele das größte Cheat-Interesse wecken. In diesen Genres gibt es durchschnittlich 40 Cheat-bezogene Suchanfragen pro 1.000 Spieler:innen – deutlich mehr als bei Battle-Royale-Spielen (28 pro 1.000) oder klassischen Shootern (23 pro 1.000). Strategisch ausgerichtete Genres wie Multiplayer Online Battle Arena (MOBA) schneiden hingegen deutlich besser ab: Hier verzeichnen Spieler:innen im Schnitt nur 0,3 Suchanfragen pro 1.000. Die komplexen Spielmechaniken dieser Titel könnten traditionelle Cheat-Versuche abschreckend wirken lassen.
„Das Versprechen eines schnellen Sieges kann Spieler:innen auf einen gefährlichen Weg führen. Wer Cheats installiert, muss häufig Antivirensoftware deaktivieren und weitreichende Systemrechte vergeben. Dadurch werden Tür und Tor für hochentwickelte Schadprogramme wie Infostealer oder Remote-Access-Trojaner geöffnet“, sagt Tomas Stamulis, Chief Security Officer bei Surfshark. „Gaming-Communities werden so zu einem attraktiven Ziel für Hacker:innen – und Cheating wird zum selbst verursachten Cyberrisiko.“
Wirksamkeit von Kernel-Level-Anti-Cheat
Die Analyse zeigt zudem einen abschreckenden Effekt sogenannter Kernel-Level-Anti-Cheat-
Durch ihre erweiterten Zugriffsrechte können Kernel-Level-Systeme versteckte Prozesse und Treiber-Manipulationen erkennen, die herkömmlichen Lösungen entgehen. Das macht sie robuster gegenüber klassischen Cheat-Methoden. Tomas Stamulis weist jedoch darauf hin, dass diese Systeme zwar funktionieren, gleichzeitig aber ein Datenschutzrisiko darstellen.
„Solche Programme arbeiten mit uneingeschränkten, weitreichenden Zugriffsrechten auf Hardware und Arbeitsspeicher. Das erhöht zwar die Effektivität bei der Cheat-Erkennung, vergrößert aber auch die potenzielle Angriffsfläche im Falle eines Missbrauchs.“
Cheating im Zeitalter von KI
Die zunehmende Nutzung von Künstlicher Intelligenz verändert die Cheat-Landschaft rasant und stellt selbst robuste Anti-Cheat-Maßnahmen vor neue Herausforderungen. Obwohl Rocket League aufgrund seiner serverseitigen Physik als besonders schwer manipulierbar gilt, liegt das Spiel bei Cheat-bezogenen Suchanfragen mit 59 pro 1.000 Spieler:innen auf dem zweiten Platz. Dieses hohe Suchvolumen zeigt einen deutlichen Wandel: Wenn klassische Hacks technisch unmöglich sind, greifen Spieler:innen zunehmend auf ausgefeilte, KI-gestützte Bots und Vorhersageskripte zurück.
„Die Beliebtheit dieser Suchanfragen deutet darauf hin, dass selbst in ‚unhackbaren‘ Umgebungen das Verlangen nach automatisierter Spielbeherrschung die Suche antreiben kann. Im Gegensatz zu herkömmlichen Cheats nutzen diese KI-Tools Algorithmen zur Objekterkennung, analysieren Spielbilder und berechnen optimale Aktionen. Besonders bemerkenswert: Sie können menschliche Eingaben täuschend echt nachahmen.”
Tomas Stamulis sieht Parallelen zwischen dem Kampf im Online-Gaming und dem, den Cybersecurity-Expert:innen schon lange führen – denn KI wird sowohl von Cheat-Ersteller:innen als auch von Spieleentwickler:innen genutzt.
„Wir sehen hier ein Wettrüsten, das der klassischen Auseinandersetzung zwischen Cybersicherheitsexpert:innen und Hacker:innen ähnelt“, so Stamulis. „Entwickler:innen setzen auf KI-gestützte Anti-Cheat-Systeme, die Spielverhalten in Echtzeit analysieren, um Cheat-Muster über mehrere Matches hinweg zu erkennen. Gleichzeitig werden KI-basierte Cheats immer ausgefeilter – die Branche muss kontinuierlich innovieren, um Fairness zu gewährleisten und Cheats zu verhindern.“

