Mit dem jährlich erscheinenden Pro Cycling Manager steht Cyanide Studio vor einem ähnlichen Problem wie andere Sportspielserien: Wie verbessert man ein bereits sehr komplexes Spiel, ohne die bestehende Fangemeinde zu vergraulen? Mit Pro Cycling Manager 26 versucht das Entwicklerteam genau diesen Spagat. Statt einer grundlegenden Revolution konzentriert sich die diesjährige Ausgabe auf zahlreiche Detailverbesserungen im Managementbereich, bei der Saisonplanung und bei der Rennsimulation.
Die große Frage lautet dabei: Reicht das aus, um den Kauf zu rechtfertigen?
Was ist Pro Cycling Manager 26?
Wer die Reihe nicht kennt, übernimmt die Rolle eines Sportdirektors eines professionellen Radsportteams. Dabei geht es nicht darum, selbst in die Pedale zu treten, sondern um die komplette Organisation eines Rennstalls. Fahrer verpflichten, Talente fördern, Sponsoren zufriedenstellen, Budgets verwalten und vor allem die richtigen taktischen Entscheidungen während der Rennen treffen. Das Spiel bildet dabei einen enormen Teil des professionellen Radsports ab. Von kleineren Rundfahrten bis hin zur Tour de France ist nahezu alles vertreten, was Fans des Sports kennen und lieben.

Eine der größten Neuerungen von PCM 26 ist die überarbeitete Saisonplanung. Fahrer lassen sich nun deutlich gezielter bestimmten Rollen zuordnen. Hauptkapitäne, Helfer und sekundäre Leader können bereits vor Saisonbeginn klar definiert werden. Zusätzlich wurden Rennen nach Wichtigkeit kategorisiert, wodurch die Planung übersichtlicher wird. Das klingt zunächst nach einer kleinen Änderung, hat aber große Auswirkungen auf das eigentliche Spielgefühl. In älteren Versionen verlor man bei größeren Teams schnell den Überblick darüber, welcher Fahrer wann seine Formspitze erreichen sollte. Jetzt fällt die langfristige Planung wesentlich leichter.
Gerade Spieler, die gerne mehrere Saisons hintereinander absolvieren, profitieren hiervon enorm.
Ein weiteres Kernfeature ist die Überarbeitung der Tagesform. Die Tagesform war schon immer ein wichtiger Bestandteil der Serie. Schließlich gewinnt auch im echten Radsport nicht immer automatisch der stärkste Fahrer. PCM 26 geht hier einen Schritt weiter. Die Berechnung orientiert sich nun stärker an den tatsächlichen Fähigkeiten der Fahrer. Zusätzlich wurden neue Eigenschaften eingeführt, die beeinflussen, wie konstant ein Fahrer bei bestimmten Rennarten performt. Dadurch entstehen glaubwürdigere Rennverläufe. Ein Spezialist für große Rundfahrten verhält sich nun anders als ein Fahrer, der seine Stärken bei den Frühjahrsklassikern besitzt.
Das sorgt für mehr Persönlichkeit innerhalb des Fahrerfelds und macht Transferentscheidungen interessanter.
Detailed Simulation: Endlich sinnvolles Simulieren
Eine der wichtigsten Verbesserungen dürfte für viele Spieler die neue detaillierte Rennsimulation sein. Wer schon einmal mehrere Saisons im Pro Cycling Manager gespielt hat, kennt das Problem: Viele Rennen möchte man gar nicht komplett austragen. Gleichzeitig waren die bisherigen Simulationen oft zu oberflächlich oder lieferten fragwürdige Ergebnisse. PCM 26 führt nun eine deutlich detailliertere Rennsimulation ein, die realistischere Resultate liefern soll. Rennen können schneller abgewickelt werden, ohne dass das Gefühl entsteht, wichtige Entwicklungen zu verpassen. Gerade bei langen Karrieren spart das enorm viel Zeit.

Diese Funktion könnte sich langfristig sogar als die wertvollste Neuerung des gesamten Spiels herausstellen.
Auch der beliebte Modus Pro Cyclist wurde erweitert. Hier erstellt man entweder einen eigenen Fahrer oder übernimmt einen bestehenden Profi und begleitet dessen Karriere. Neu ist unter anderem die Möglichkeit, direkt mit echten Profis zu starten, anstatt immer einen selbst erstellten Charakter nutzen zu müssen. Dadurch ergeben sich interessante Szenarien. Möchte man beispielsweise die Karriere eines aktuellen Talents weiterführen oder einen etablierten Star zu noch größeren Erfolgen führen, ist dies nun problemlos möglich.
Für Spieler, die weniger am Management und mehr an der Karriere eines einzelnen Fahrers interessiert sind, ist das eine willkommene Erweiterung.
Die Rennen bleiben das Herzstück. Trotz aller Managementverbesserungen bleibt der eigentliche Höhepunkt jedes PCM die Rennsteuerung. Hier zeigt sich erneut die große Stärke der Serie. Wer die taktischen Feinheiten des Radsports versteht, kann aus scheinbar aussichtslosen Situationen überraschende Siege herausholen.
Wann sollte ein Helfer arbeiten?
Wann beginnt der Kapitän mit seinem Angriff?
Wie viel Energie darf man investieren?
Wann lohnt sich eine Fluchtgruppe?
Diese Entscheidungen erzeugen eine Spannung, die kaum ein anderer Sportmanager in dieser Form bietet.
Gerade bei Bergetappen oder Klassikern entwickeln sich regelmäßig dramatische Rennverläufe, die man sich selbst nicht besser hätte ausdenken können.
Grafisch bewegt sich Pro Cycling Manager 26 weiterhin auf einem ordentlichen Niveau. Die Strecken, Fahrer und Trikots wirken sauber umgesetzt. Die offiziellen Teams sorgen für ein hohes Maß an Authentizität und tragen erheblich zur Atmosphäre bei. Allerdings wird niemand dieses Spiel wegen seiner Grafik kaufen. Die Präsentation erfüllt ihren Zweck, kann aber mit modernen AAA-Sportspielen nicht mithalten. Zuschauer, Animationen und Umgebungsdetails wirken teilweise weiterhin etwas steif. Das ist kein großes Problem, da der Fokus klar auf der Simulation liegt, dennoch wäre hier in den kommenden Jahren mehr Fortschritt wünschenswert.
Hier zeigt sich gleichzeitig die größte Schwäche des Spiels: PCM 26 ist kein Titel für Gelegenheitsspieler.
Bereits nach wenigen Minuten wird man mit Menüs, Statistiken, Verträgen, Trainingsplänen und Rennstrategien konfrontiert. Wer den Radsport nicht kennt oder nur gelegentlich verfolgt, wird zunächst überfordert sein. Das Tutorial hilft zwar, kann die enorme Komplexität aber nicht vollständig auffangen. Veteranen werden genau diese Tiefe lieben. Neue Spieler benötigen dagegen Geduld und Lernbereitschaft.
Auch die künstliche Intelligenz wurde weiter verbessert, ist aber nicht frei von Problemen. In vielen Rennen agieren gegnerische Teams deutlich nachvollziehbarer als noch in früheren Versionen. Favoriten werden besser geschützt, Helfer übernehmen ihre Aufgaben sinnvoller und Angriffe erfolgen oftmals in plausiblen Rennsituationen. Dennoch gibt es weiterhin Momente, in denen die KI fragwürdige Entscheidungen trifft. Manchmal werden Kräfte zu früh verschwendet oder Fahrer reagieren nur verzögert auf wichtige Rennsituationen. Diese Probleme zerstören den Spielspaß nicht, erinnern aber daran, dass die Serie trotz ihrer hohen Komplexität noch Entwicklungspotenzial besitzt.
Die größte Stärke von Pro Cycling Manager 26 bleibt die Langzeitmotivation.
Wer Freude daran hat, junge Talente über Jahre hinweg aufzubauen, den Kader kontinuierlich zu verbessern und langfristige Strategien zu entwickeln, findet hier ein Spiel, das problemlos mehrere hundert Stunden beschäftigen kann. Besonders befriedigend ist es, wenn ein selbst entdecktes Nachwuchstalent nach einigen Saisons plötzlich um den Sieg bei einer Grand Tour kämpft oder ein kleineres Team Schritt für Schritt zur Weltspitze geführt wird. Genau diese Geschichten schreibt der Spieler selbst, und genau darin liegt der besondere Reiz der Serie.
Lohnt sich der Umstieg von PCM 25? Das ist vermutlich die wichtigste Frage. Wer Pro Cycling Manager 25 besitzt und nur gelegentlich spielt, wird vermutlich keine völlig neue Erfahrung erhalten. Die Grundstruktur bleibt unverändert.
Wer allerdings jedes Jahr hunderte Stunden in Karrieren investiert, bekommt diesmal durchaus sinnvolle Verbesserungen:
- bessere Saisonplanung
- realistischere Tagesform
- neue Spezialisierungen für Fahrer
- deutlich verbesserte Rennsimulation
- erweiterter Pro-Cyclist-Modus
- bessere Langzeitverwaltung großer Teams
Die Änderungen wirken vielleicht unspektakulär, verbessern aber genau die Bereiche, mit denen Langzeitspieler am meisten Zeit verbringen.
Pro Cycling Manager 26 ist kein radikaler Neuanfang. Stattdessen liefert Cyanide Studio eine durchdachte Weiterentwicklung der bestehenden Formel. Die neue Saisonplanung sorgt für mehr Übersicht, die überarbeitete Tagesform macht Fahrer individueller und die detaillierte Rennsimulation reduziert unnötigen Zeitaufwand erheblich. Besonders Langzeitspieler profitieren von diesen Verbesserungen.
Wer auf eine grafische Revolution oder komplett neue Spielmechaniken hofft, wird dagegen enttäuscht sein. PCM 26 konzentriert sich darauf, das bereits vorhandene Fundament zu verfeinern – und das gelingt größtenteils sehr gut. Für eingefleischte Radsportfans gehört Pro Cycling Manager 26 damit weiterhin zu den besten Managementsimulationen seines Genres. Neueinsteiger müssen sich jedoch auf eine steile Lernkurve einstellen. Die diesjährige Ausgabe erfindet das Rad nicht neu, aber sie macht es an vielen Stellen runder. Wer bereits Freude an der Serie hat, bekommt ein ausgereiftes und motivierendes Managementspiel, das die Faszination des professionellen Radsports überzeugend einfängt.


