Halloween: The Game bringt eine der bekanntesten Horrorfiguren überhaupt endlich in ein modernes Videospiel, das nicht nur auf den Namen Michael Myers setzt, sondern die Atmosphäre des Filmklassikers von 1978 erstaunlich konsequent aufgreift. Entwickelt von IllFonic und gemeinsam mit Gun Interactive veröffentlicht, kombiniert das Spiel einen eigenständigen Story-Modus mit einem asymmetrischen Multiplayer. Genau diese Mischung macht den Titel für uns interessant, denn Halloween möchte nicht einfach nur ein weiterer Online-Horrortitel sein, sondern Fans des Originals möglichst tief nach Haddonfield ziehen.
Zurück nach Haddonfield im Jahr 1978
Schon die gesamte Präsentation macht deutlich, wie viel Wert auf die Vorlage gelegt wurde. Haddonfield wirkt nicht wie eine beliebige Kulisse, über die nachträglich der Name Halloween gelegt wurde. Häuser, Straßen, Beleuchtung und zahlreiche bekannte Orte greifen den Stil des Films auf und vermitteln sehr schnell dieses typische Gefühl einer scheinbar friedlichen amerikanischen Kleinstadt, in der etwas überhaupt nicht stimmt. Besonders die zurückhaltende Inszenierung passt hervorragend zu Michael Myers. Statt ständig mit lauten Schockmomenten zu arbeiten, lebt Halloween: The Game stark davon, dass die Gefahr jederzeit irgendwo auftauchen könnte.
Auch musikalisch orientiert sich das Spiel eng an der DNA des Originals. Der bekannte Halloween-Stil sorgt zusammen mit der bewusst düsteren Geräuschkulisse dafür, dass selbst ruhige Abschnitte angespannt bleiben. Für Fans der Filme ist das ein großer Pluspunkt, weil sich viele Szenen sofort vertraut anfühlen, ohne lediglich bekannte Momente stumpf zu kopieren.
Story-Modus aus Sicht von Michael Myers
Eine der größten Überraschungen ist der vollwertige Einzelspielerbereich. In sechs Kapiteln übernehmen wir Michael Myers und erleben die Ereignisse rund um seine Flucht aus dem Smith’s Grove Sanitarium sowie seine Rückkehr nach Haddonfield aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Dabei werden bekannte Ereignisse aus dem Film aufgegriffen, gleichzeitig aber auch Lücken gefüllt und zusätzliche Szenen eingebaut.
Der Story-Modus funktioniert dabei nicht wie ein streng vorgegebener Film zum Nachspielen. Zwar besitzt jedes Kapitel klare Ziele, innerhalb der Abschnitte bekommen wir jedoch genügend Freiheit, um selbst zu entscheiden, wie wir vorgehen. Michael kann Opfer verfolgen, beobachten, überraschen und verschiedene Fähigkeiten einsetzen. Dadurch entsteht ein angenehm langsamer, bedrohlicher Spielrhythmus, der hervorragend zur Figur passt. Wer Michael Myers ausschließlich als unaufhaltsamen Sprinter erwartet, wird schnell merken, dass hier Geduld und Positionierung wesentlich wichtiger sind.
Zusätzliche Herausforderungen, Sammelobjekte, verschiedene Schwierigkeitsgrade und alternative Möglichkeiten innerhalb der Kapitel erhöhen den Wiederspielwert. Bestimmte Aufgaben schalten außerdem kosmetische Inhalte und weitere Belohnungen frei, die teilweise auch im Multiplayer genutzt werden können. Dadurch fühlt sich der Einzelspieler nicht wie eine bloße Zugabe an.
1 gegen 4: Michael gegen die Bewohner
Das Herzstück für langfristige Motivation ist der Multiplayer. Ein Spieler übernimmt Michael Myers, während vier andere Spieler als Bewohner von Haddonfield versuchen, zu überleben, anderen Menschen zu helfen und einen Ausweg zu organisieren. Zum Start stehen vier Karten zur Verfügung: Haddonfield Town Center, Haddonfield Heights, Orange Grove Estates und East Haddonfield.
Besonders gelungen ist, dass die Zivilisten nicht lediglich Generatoren reparieren und anschließend durch einen Ausgang verschwinden. Die Karten bieten unterschiedliche Fluchtmöglichkeiten, Fahrzeuge, Gegenstände, Bewohner und Polizeikräfte. Entscheidungen verändern den Verlauf einer Runde, während Fundorte und Fluchtwege variieren können. Das sorgt dafür, dass sich die Matches weniger berechenbar anfühlen.
Auch nach dem Tod muss eine Partie nicht sofort vorbei sein. Ausgeschiedene Spieler können unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin helfen und sogar als Sheriff’s Deputy oder Dr. Loomis zurückkehren. Diese Idee hält alle Beteiligten länger im Spiel und erzeugt gerade in späteren Phasen spannende Situationen, wenn sich der Widerstand gegen Michael langsam verstärkt.
Michael Myers spielt sich herrlich bedrohlich
Michael besitzt Fähigkeiten, die seine Rolle als scheinbar überall auftauchender Boogeyman hervorragend unterstützen. Killer Sense und Shape Jump bilden dabei wichtige Grundlagen, während weitere freischaltbare Fähigkeiten unterschiedliche Spielstile ermöglichen. Reality Tear, Blackout oder Detection Pulse können beispielsweise genutzt werden, um Opfer aufzuspüren, Sichtverhältnisse zu beeinflussen oder den Druck auf die Gegenseite zu erhöhen.
Das Schöne daran ist, dass Michael nicht wie eine gewöhnliche Actionfigur wirkt. Seine Stärke entsteht vor allem durch Kontrolle, Überraschung und psychologischen Druck. Wer seine Möglichkeiten geschickt kombiniert, kann eine Gruppe auseinanderziehen und einzelne Spieler genau dann überraschen, wenn sie sich gerade sicher fühlen.
Fortschritt und Individualisierung
Auch außerhalb der eigentlichen Matches steckt erstaunlich viel Inhalt im Spiel. Es gibt separate Fortschrittsbereiche für Profil, Killer, Zivilisten und Waffen. Durch Erfahrungspunkte werden neue Charaktere, Fähigkeiten, Startgegenstände, Ausführungen, kosmetische Inhalte und weitere Herausforderungen freigeschaltet.
Die Zivilisten unterscheiden sich zudem durch Werte wie Athleticism, Personality, Resourcefulness und Capability. Dadurch gibt es nicht einfach nur verschiedene Figuren mit anderem Aussehen, sondern tatsächlich unterschiedliche Stärken. Zusätzlich lassen sich Perk-Decks zusammenstellen. Perk-Punkte können für Karten eingesetzt werden, die unterschiedliche Boni besitzen und den eigenen Spielstil weiter verändern.
Michael und die Zivilisten können außerdem umfangreich optisch angepasst werden. Skins, Farbtöne, Kleidung, Kopfbedeckungen und weitere kosmetische Elemente sorgen dafür, dass langfristiges Spielen regelmäßig mit neuen Inhalten belohnt wird.
Technik und Umfang
Halloween: The Game basiert auf Unreal Engine 5 und ist für PlayStation 5, Xbox Series X|S sowie PC über Steam und den Epic Games Store erhältlich. Neben öffentlichem Online-Matchmaking stehen auch private Partien gegen KI zur Verfügung. Crossplay erleichtert es zusätzlich, gemeinsam mit Freunden auf unterschiedlichen Plattformen nach Haddonfield zurückzukehren.
Zum Start bietet das Spiel bereits einen erfreulich umfangreichen Mix aus sechs Story-Kapiteln, vier Multiplayer-Karten, zahlreichen spielbaren Zivilisten, unterschiedlichen Michael-Fähigkeiten und hunderten Herausforderungen. Damit ist genügend Material vorhanden, um sowohl Solospieler als auch Multiplayer-Fans über längere Zeit zu beschäftigen.
Schlusswort
Halloween: The Game ist für uns vor allem deshalb gelungen, weil IllFonic die Lizenz nicht nur als optische Verpackung verwendet. Die Atmosphäre des Originals, die langsame Bedrohung durch Michael Myers und die liebevoll aufgebaute Version von Haddonfield greifen überzeugend ineinander. Gleichzeitig besitzt das Spiel genügend eigene Ideen, um mehr als eine digitale Hommage an den Film von 1978 zu sein.
Der Einzelspieler liefert eine spannende neue Perspektive auf bekannte Ereignisse, während der asymmetrische Multiplayer durch unterschiedliche Ziele, wechselnde Situationen und das Fortschrittssystem langfristig motiviert. Besonders Fans klassischer Slasher-Filme bekommen hier ein ungewöhnlich authentisches Gesamtpaket. Wer schon immer selbst hinter der weißen Maske stehen oder gemeinsam mit Freunden versuchen wollte, Michael Myers zu entkommen, findet mit Halloween: The Game eine der interessantesten Horror-Umsetzungen der letzten Jahre.

Besonders positiv ist, dass das Spiel nicht nur von seiner bekannten Lizenz lebt. Unterschiedliche Fähigkeiten, Fortschrittssysteme, mehrere Karten und verschiedene Möglichkeiten innerhalb der Partien schaffen langfristige Motivation. Dazu kommen eine stimmige audiovisuelle Präsentation und viele kleine Details, die Fans der Filme sofort wiedererkennen.
Für uns ist Halloween: The Game damit eine sehr gelungene Umsetzung der Kultmarke und gleichzeitig ein spannender Horrortitel für Spieler, die gerne allein oder gemeinsam mit Freunden in eine düstere Slasher-Welt eintauchen. Wer Michael Myers und das Halloween-Universum mag, sollte sich den Titel definitiv näher ansehen.

