Muse, Anbieter von EEG-basierten Wearables zur Erfassung der Gehirnaktivität, hat heute Muse Brain Age vorgestellt. Der wöchentliche Messwert zeigt, wie alt das Gehirn einer Person im Vergleich zu ihrem tatsächlichen Alter erscheint. Muse Brain Age ist die einzige für Verbraucher:innen verfügbare Messung des Gehirnalters, die auf direkt erfasster Gehirnaktivität beruht. Sie baut auf begutachteter Forschung auf, die in Imaging Neuroscience veröffentlicht wurde. Die Einführung in der Muse-App für iOS und Android beginnt am 19. Oktober für Muse 2, Muse S und Muse S Athena. Die erste Auswertung ist für alle Nutzer:innen kostenlos.
Im Bericht 2026 Alzheimer’s Association Facts and Figures gaben 99 Prozent der US-Amerikaner:innen ab 40 Jahren an, dass ihnen die Gesundheit des Gehirns mindestens ebenso wichtig ist wie die körperliche Gesundheit. Nur 9 Prozent sagten, sie wüssten viel darüber, wie sich die Gesundheit des Gehirns erhalten lässt.
Seit mehr als einem Jahrzehnt entwickelt Muse Produkte, die Menschen genau dabei unterstützen sollen. Brain Age ist der nächste Schritt.
Das biologische Alter hat sich 2026 zu einer der zentralen Gesundheitskennzahlen für Verbraucher:innen entwickelt. Uhren, Ringe und smarte Betten schätzen anhand von Herzfrequenz, Herzfrequenzvariabilität, VO2max und Schlaf, wie alt der Körper ist. Über das Gehirn können sie jedoch keine Aussage treffen. Um Gehirnaktivität direkt zu erfassen, braucht es ein EEG: Sensoren am Kopf messen dabei die elektrische Aktivität des Gehirns.
Muse Brain Age misst das eine Organ, an das die anderen nicht herankommen.
Was bedeutet Brain Age?
Brain Age ist eine Schätzung, wie alt ein Gehirn anhand seiner Aktivitätsmuster erscheint – verglichen mit dem tatsächlichen Alter der Person. Die Differenz zwischen beiden Werten, das sogenannte „Brain-Age-Gap“, wird seit mehr als einem Jahrzehnt erforscht, bislang überwiegend mithilfe von MRT-Aufnahmen. Muse Brain Age überträgt diese Messung auf EEG-Aufzeichnungen, die zu Hause entstehen.
„Gehirne altern nicht nach einem festen Zeitplan. Zwei Menschen im Alter von 50 Jahren können Gehirne haben, die sich in ihrem Erscheinungsbild um Jahre unterscheiden – ohne dass einer von beiden davon weiß“, sagt Nadia Kumentas, Chief Product and Marketing Officer bei Muse. „Wir alle wissen, dass sich der Körper mit dem Alter verändert. Deshalb werden Kraft und Herz-Kreislauf-Fitness im Laufe der Zeit genauer beobachtet. Das Gehirn verdient dieselbe Aufmerksamkeit. Brain Age macht es möglich, seine Entwicklung tatsächlich zu verfolgen.“
Was zeigt eine Auswertung von Muse Brain Age?
Das Ergebnis von Muse Brain Age ist eine Abweichung in Jahren. Es kann zum Beispiel anzeigen, dass das Gehirn drei Jahre jünger oder zwei Jahre älter erscheint als das tatsächliche Alter der Person. Muse gibt die Abweichung statt eines absoluten Alters an, weil sie aussagekräftiger ist: Sie zeigt, um wie viele Jahre das geschätzte Gehirnalter vom tatsächlichen Alter abweicht.
Bei Tests mit Personen, deren Daten nicht in die Entwicklung des Modells eingeflossen waren, wichen die Schätzungen von Muse Brain Age im Durchschnitt um etwa 3,8 Jahre vom tatsächlichen Alter ab. Der individuelle Wochenwert verändert sich typischerweise von einer Woche zur nächsten um etwa 1,9 Jahre.
In den Messwert fließen zwei Bereiche ein:
- EEG am Tag: Die Aktivität des Gehirns wird während regulärer Muse-Sitzungen mit vier Trockenelektroden aufgezeichnet – auf der Stirn und hinter den Ohren.
- Kognitive Leistung: Vier kurze Tests messen Verarbeitungsgeschwindigkeit, räumliches Gedächtnis, Impulskontrolle und selektive Aufmerksamkeit. Jeder Test liefert einen eigenen Wert, sodass sich Veränderungen in den einzelnen Bereichen nachvollziehen lassen.
Die Aufzeichnung erfolgt während Sitzungen, die Nutzer:innen ohnehin durchführen. Für die erste Auswertung benötigt Muse mindestens zehn Minuten an Muse-Sitzungen mit geschlossenen Augen, verteilt auf sieben verschiedene Tage, sowie die vier kognitiven Tests. Danach halten Sitzungen an drei Tagen pro Woche den Messwert aktuell. Jeden Montag wird die Auswertung anhand der Sitzungen der vorangegangenen Woche aktualisiert.
Eine einzelne Messung liefert einen Ausgangswert. Sechs Monate regelmäßiger Messungen zeigen eine Entwicklung. Bisher stützt sich die Forschung zum Gehirnalter vor allem auf MRT-Aufnahmen – oft liegen zwischen den Untersuchungen mehrere Jahre. Eine wöchentliche Messung zu Hause benötigt weder eine Klinik noch einen Scanner.
Grundlage: begutachtete Forschung mit mehr als 5.200 Aufzeichnungen von zu Hause
Seit 2014 hat Muse mehr als eine Milliarde Minuten EEG-Daten von Menschen zu Hause erfasst. 2024 untersuchten Muse-Forschende gemeinsam mit Kooperationspartnern anhand dieser Daten, ob sich das Gehirnalter überhaupt mit vier Trockenelektroden schätzen lässt. Eine begutachtete Studie in Imaging Neuroscience mit mehr als 5.200 Aufzeichnungen von Nutzer:innen im Alter von 18 bis 81 Jahren zeigte: Das ist möglich – und zwar in einem Genauigkeitsbereich, der mit Laborgeräten vergleichbar ist. Das relevante Signal zeigt sich unter anderem in Rhythmen wie dem Alpha-Rhythmus, die sich mit dem Alter verändern.
Aus diesem Forschungsergebnis ist Muse Brain Age hervorgegangen. In der Studie von 2024 kam ein Modell mit rund 3.300 Parametern zum Einsatz. Muse Brain Age nutzt ein Modell mit 300 Millionen Parametern – etwa 90.000-mal so viele. Bei Personen, deren Daten nicht zur Entwicklung des Modells verwendet wurden, verringerte das EEG-Modell den mittleren absoluten Fehler gegenüber dem Modell von 2024 um 47 Prozent. Die zusätzlichen kognitiven Tests senkten den verbleibenden Fehler um weitere 13 Prozent.
Die Modellgröße ist relevant, weil kein Gehirn auf dieselbe Weise altert. Ein so großes Modell kann diese Unterschiede abbilden, statt sie durch Mittelwerte zu nivellieren. In der Forschung zum Gehirnalter liegen die Messungen meist Jahre auseinander. Sie zeigen, wo eine Person steht, aber nur selten, wie sie dorthin gelangt ist. Eine wöchentliche Messung zu Hause macht aus einer Momentaufnahme eine Entwicklungslinie.
„Die Rhythmen des Gehirns verändern sich im Erwachsenenalter langsam. Der Alpha-Rhythmus, einer der stärksten, wird nach und nach langsamer. In meinem Labor beschäftigen wir uns intensiv mit den Gründen dafür“, sagt Dr. John Griffiths, Research Scientist am CAMH und Assistant Professor an der University of Toronto. „Solche Veränderungen entwickeln sich über Jahre. Ein einzelner Messwert hängt zugleich davon ab, wie ausgeruht oder gestresst man ist. Wer den längerfristigen Trend erkennen möchte, müsste über Monate und Jahre hinweg wöchentlich messen.“
Muse Brain Age ist kein diagnostischer Test und kann keine Erkrankungen feststellen, vorhersagen oder ausschließen. Das gilt auch für kognitiven Abbau und Demenz.
Verfügbarkeit
Die Einführung von Muse Brain Age beginnt am 19. Oktober. Bis zum 26. Oktober soll die Funktion allen Nutzer:innen zur Verfügung stehen. Sie ist mit Muse 2, Muse S und Muse S Athena kompatibel. Die erste Auswertung ist kostenlos. Weitere wöchentliche Auswertungen, die vollständige Messhistorie und Details zu den einzelnen Einflussbereichen sind in Muse Premium enthalten. Muse Premium ist im Bundle mit Muse 2 (314,00 Euro) oder Muse S Athena (499,00 Euro) erhältlich.

