Review: RIVAGE im Test – Gefangen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und einer endlosen Zeitschleife

Eine Forschungsstation im Orbit eines fremden Planeten, eine spurlos verschwundene Besatzung und eine Wissenschaftlerin, die immer wieder denselben Tag erlebt. RIVAGE verbindet ein klassisches Science-Fiction-Mysterium mit anspruchsvollen Rätseln und einer ungewöhnlichen Zeitschleifenmechanik. Das Ergebnis ist ein atmosphärisches Abenteuer, das mich vor allem durch seine Spielwelt und seine zahlreichen Geheimnisse neugierig macht, dessen eigenwillige Spielmechaniken aber nicht immer für Begeisterung sorgen.

Es gibt ein ganz bestimmtes Gefühl, das gute Science-Fiction-Abenteuer in mir auslösen: die Mischung aus Neugier, Unsicherheit und dem Drang, hinter das nächste verschlossene Schott zu gelangen. RIVAGE, das Debüt des Entwicklerstudios Exnilo Studio unter dem Publisher Raw Fury, baut sein gesamtes Spielkonzept auf genau diesem Gefühl auf. Statt auf spektakuläre Weltraumschlachten oder außerirdische Monster setzt das Adventure auf eine verlassene Forschungsstation, komplexe technische Rätsel und die allmähliche Rekonstruktion einer Katastrophe. Was zunächst wie ein vertrautes Szenario erscheint, entwickelt durch die ungewöhnliche Verbindung aus begrenzter Energieversorgung und wiederkehrenden Zeitschleifen eine ganz eigene Dynamik. Allerdings stellt sich schon früh die Frage, ob diese zusätzliche Mechanik das klassische Rätselabenteuer tatsächlich bereichert oder ihm gelegentlich eher im Weg steht.

Die Handlung führt uns in das Jahr 2467. Die Menschheit hat ihre Suche nach einer neuen Heimat längst über die Grenzen des Sonnensystems hinaus ausgedehnt und mit VESTA einen vielversprechenden Exoplaneten entdeckt. Um dessen Eignung als zukünftigen Lebensraum zu untersuchen, wurde die Forschungsstation A.R.E.S. in seine Umlaufbahn gebracht. An Bord arbeitet eine kleine Besatzung aus Wissenschaftlern, darunter die Medizinerin Miranda Vigneau, in deren Rolle wir schlüpfen. Doch als Miranda am Morgen des 1. Mai erwacht, ist von ihren Kollegen nichts mehr zu sehen. Die Station befindet sich in einem kritischen Zustand, ihre Energieversorgung ist eingeschränkt und zahlreiche Systeme scheinen nicht mehr ordnungsgemäß zu funktionieren. Noch beunruhigender ist allerdings, dass sich offenbar auch die Zeit nicht mehr so verhält, wie sie sollte.

RIVAGE verzichtet weitgehend darauf, seine Ausgangssituation mit langen Zwischensequenzen zu erklären. Stattdessen werden wir in eine Umgebung entlassen, die selbst zur wichtigsten Informationsquelle wird. Computerterminals enthalten Nachrichten, persönliche Quartiere verraten etwas über ihre ehemaligen Bewohner und wissenschaftliche Aufzeichnungen liefern Hinweise auf die Ereignisse vor dem Verschwinden der Besatzung. Das Spiel verlangt dabei Aufmerksamkeit und Eigeninitiative. Wer nur oberflächlich durch die Räume läuft, wird zahlreiche Details übersehen und früher oder später vor Aufgaben stehen, deren Lösung sich erst aus zuvor entdeckten Informationen ergibt. Gerade dieser investigative Ansatz macht für mich einen wesentlichen Teil des Reizes aus, weil ich nicht bloß einer vorgegebenen Handlung folge, sondern die Geschichte aus ihren verstreuten Einzelteilen zusammensetzen muss.

Eine der auffälligsten Qualitäten von RIVAGE ist die Gestaltung seiner Raumstation. Die A.R.E.S. wirkt nicht wie eine beliebige Ansammlung futuristischer Korridore, sondern wie ein Ort, an dem Menschen tatsächlich über längere Zeit gelebt und gearbeitet haben. Zwischen technischen Einrichtungen, Forschungslaboren, Lagerräumen und persönlichen Unterkünften finden sich zahlreiche Gegenstände, die zunächst völlig unscheinbar erscheinen, der Umgebung aber eine erstaunliche Glaubwürdigkeit verleihen. Nicht jeder Gegenstand muss unmittelbar für ein Rätsel relevant sein, um zur Atmosphäre beizutragen. Gerade das Zusammenspiel aus funktionalen Arbeitsbereichen und persönlichen Hinterlassenschaften sorgt dafür, dass die Station trotz ihrer verlassenen Räume eine eigene Identität entwickelt.

Besonders gelungen finde ich die Art, wie RIVAGE die Isolation seiner Hauptfigur vermittelt. Obwohl Miranda allein ist, entsteht nicht das Gefühl, sich durch eine völlig leblose Kulisse zu bewegen. Überall begegnet man den Spuren ihrer verschwundenen Kollegen. Nachrichten lassen auf unterschiedliche Persönlichkeiten schließen, private Gegenstände erzählen von individuellen Vorlieben und manche Aufzeichnungen deuten auf Konflikte innerhalb der Besatzung hin. Dadurch werden die vermissten Menschen nach und nach greifbarer, obwohl sie zunächst nicht persönlich in Erscheinung treten. Die Suche nach ihnen erhält so eine emotionale Komponente, die über das bloße Reparieren der Station hinausgeht. Ich möchte nicht nur wissen, welche technische Störung die Katastrophe ausgelöst hat, sondern auch verstehen, was mit den Menschen geschehen ist, die hier zuvor gemeinsam gearbeitet haben.

Dabei profitiert das Spiel von seiner vergleichsweise überschaubaren Umgebung. Anstatt eine riesige, weitgehend leere Spielwelt anzubieten, konzentriert sich RIVAGE auf einen begrenzten Schauplatz, dessen Bereiche zunehmend vertrauter werden. Räume, die anfangs lediglich als Durchgang dienen, können später eine völlig neue Bedeutung erhalten, wenn weitere Informationen verfügbar sind oder bislang unzugängliche Systeme aktiviert werden. Diese wiederholte Beschäftigung mit denselben Orten ist ein wichtiger Bestandteil des Spielkonzepts. Allerdings muss sich die Station dadurch auch gefallen lassen, dass ihre Wege und ihre Bedienung besonders kritisch betrachtet werden. Denn was beim ersten Besuch faszinierend wirkt, kann beim zehnten Durchlauf bereits anstrengend werden.

Spielerisch ist RIVAGE ein First-Person-Rätselabenteuer, das weitgehend auf Kämpfe verzichtet. Im Mittelpunkt stehen das Untersuchen von Gegenständen, das Lesen von Dokumenten, die Bedienung technischer Einrichtungen und das Kombinieren unterschiedlicher Informationen. Dabei orientieren sich viele Aufgaben an klassischen Escape-Room-Konzepten, ohne sich ausschließlich auf Zahlencodes und verschlossene Türen zu beschränken. Immer wieder müssen elektrische Systeme verstanden, Mechanismen korrekt eingestellt oder Informationen aus mehreren Räumen miteinander verknüpft werden. Einige Herausforderungen beschäftigen sich darüber hinaus mit physikalischen Phänomenen wie Magnetismus, Gravitation und zeitlichen Veränderungen. Dadurch entsteht eine abwechslungsreiche Mischung aus logischen Denkaufgaben, technischen Experimenten und aufmerksamer Umgebungserkundung.

Ein gutes Beispiel für den grundsätzlichen Aufbau sind die elektrischen Sicherungsrätsel, bei denen unterschiedliche Spannungswerte berücksichtigt werden müssen. Statt wahllos Kombinationen auszuprobieren, sollte man zunächst die vorhandenen Informationen untersuchen und verstehen, welche Funktion die einzelnen Bauteile erfüllen. Andere Aufgaben gehen deutlich darüber hinaus und verlangen, dass zuvor entdeckte Hinweise mit neuen Beobachtungen kombiniert werden. Das kann ausgesprochen befriedigend sein, weil eine gefundene Lösung nicht einfach aus einem glücklichen Zufall entsteht, sondern aus einem nachvollziehbaren Gedankengang. Gerade wenn mehrere zunächst unzusammenhängende Informationen plötzlich einen Sinn ergeben, zeigt RIVAGE, weshalb anspruchsvolle Rätselspiele auch ohne spektakuläre Action fesseln können.

Allerdings gelingt diese Balance nicht durchgehend. Manche Aufgaben wirken weniger deshalb schwierig, weil ihre zugrunde liegende Logik besonders komplex wäre, sondern weil der nächste notwendige Handlungsschritt nicht ausreichend deutlich vermittelt wird. Es macht für mich einen erheblichen Unterschied, ob ich über eine anspruchsvolle Lösung nachdenken muss oder zunächst herausfinden soll, welches Objekt überhaupt benutzt werden kann. Gerade bei einer detailreichen Umgebung, in der zahlreiche Gegenstände untersucht werden dürfen, kann diese Unterscheidung entscheidend sein. Gelegentlich droht die eigentliche Denkarbeit hinter der Suche nach einem übersehenen Hinweis oder einer unklaren Interaktionsmöglichkeit zu verschwinden. Das ist schade, denn die interessantesten Rätsel von RIVAGE benötigen solche künstlichen Hürden überhaupt nicht.

Hinzu kommt, dass das Spiel nur begrenzt Hilfestellung bietet. Einen klassischen Questmarker, der uns zuverlässig zum nächsten Ziel führt, sollte man nicht erwarten. Stattdessen muss der Fortschritt überwiegend aus den vorhandenen Informationen erschlossen werden. Grundsätzlich gefällt mir dieser Ansatz, weil er die Eigenständigkeit des Spielers ernst nimmt und die Erforschung der Station glaubwürdiger erscheinen lässt. Allerdings verlangt er auch eine gewisse Frustrationstoleranz. Wer längere Zeit nicht weiterkommt, erhält nicht zwangsläufig eine eindeutige Erklärung dafür, ob ein wichtiger Hinweis fehlt, eine technische Einrichtung falsch bedient wurde oder zunächst ein anderer Bereich untersucht werden sollte.

Das zentrale Alleinstellungsmerkmal von RIVAGE ist seine Zeitschleifenmechanik. Die Station verfügt nur über eine begrenzte Menge nutzbarer Energie, die den Fortschritt innerhalb eines einzelnen Durchlaufs einschränkt. Besonders das Öffnen neuer Bereiche ist an diese Ressource gebunden. Pro Zyklus stehen vier Energieeinheiten zur Verfügung, sodass nicht beliebig viele neue Zugänge hintereinander aktiviert werden können. Sind die Möglichkeiten erschöpft, kommt ein ausgesprochen ungewöhnlicher Gegenstand ins Spiel: ein Arcade-Automat, über den Miranda den aktuellen Tag zurücksetzen kann. Statt einer gewöhnlichen Speicherfunktion wird die Wiederholung damit zu einem festen Bestandteil der Spielwelt und ihrer geheimnisvollen Geschichte.

Diese Idee ist zunächst ausgesprochen reizvoll. Schließlich entsteht eine zusätzliche Ebene der Planung, die über das eigentliche Lösen der Rätsel hinausgeht. Welche Bereiche sollte ich zuerst untersuchen? Welche Informationen benötige ich für den nächsten Versuch? Und welche bereits gewonnenen Erkenntnisse helfen mir dabei, einen zukünftigen Durchlauf effizienter zu gestalten? Die begrenzte Energie zwingt dazu, die Station nicht nur räumlich, sondern auch strategisch zu verstehen. Das erinnert in seiner Grundidee an andere Zeitschleifenabenteuer, verfolgt jedoch einen eigenen Ansatz, indem die Wiederholung direkt an die Infrastruktur der Forschungsstation geknüpft wird.

Problematisch wird das System allerdings dort, wo die Wiederholung nicht mehr als interessante Herausforderung, sondern als unnötige Unterbrechung wahrgenommen wird. RIVAGE lebt davon, dass man sich Zeit nimmt, Gegenstände untersucht und Zusammenhänge erkennt. Gleichzeitig schränkt das Energielimit die Möglichkeiten ein, innerhalb eines Zyklus beliebig weit vorzudringen. Dadurch kann eine Situation entstehen, in der man die Lösung einer Aufgabe bereits verstanden hat, aber zunächst einen weiteren Durchlauf vorbereiten muss, um sie tatsächlich umzusetzen. Das erzeugt nicht immer zusätzliche Spannung. Manchmal verlängert es lediglich den Weg zwischen Erkenntnis und Umsetzung.

Besonders deutlich wird dieser Konflikt, wenn bereits bekannte Bereiche erneut durchquert werden müssen. Zwar gewinnt man mit zunehmender Spieldauer ein immer besseres Verständnis für den Aufbau der A.R.E.S., doch Vertrautheit allein macht wiederholte Wege nicht automatisch unterhaltsam. Der Arcade-Automat ist deshalb gleichzeitig eine originelle erzählerische Idee und eine Mechanik, an der sich die Geister scheiden dürften. Für mich liegt hier die größte Schwäche des gesamten Konzepts: Die Zeitschleife passt hervorragend zur Geschichte, bietet aber nicht in jeder Situation einen spielerischen Mehrwert. Gerade bei einem Adventure, dessen größte Stärke im selbstständigen Entdecken liegt, hätte eine etwas großzügigere Gestaltung der Fortschrittsmöglichkeiten dem Spielfluss gutgetan.

Damit die wiederkehrenden Zyklen nicht sämtliche bisherigen Anstrengungen zunichtemachen, verfügt Miranda über das K9-System. Dieses dient als eine Art digitales Gedächtnis, in dem wichtige Informationen und Entdeckungen festgehalten werden können. Darüber hinaus lassen sich bestimmte Rätsellösungen über die Zeitschleifen hinweg bewahren, sodass bereits erfolgreich abgeschlossene Aufgaben nicht grundsätzlich bei jedem Neustart vollständig wiederholt werden müssen. Das ist ein wichtiger Bestandteil des Spielkonzepts, denn ohne eine solche Möglichkeit würde die ohnehin vorhandene Wiederholung schnell zu einer erheblichen Belastung werden.

Ich halte die Integration von K9 für eine der sinnvollsten Entscheidungen der Entwickler. Gerade bei Rätselspielen mit zahlreichen Dokumenten, Codes und technischen Zusammenhängen entsteht schnell die Notwendigkeit, sich Notizen zu machen. RIVAGE erkennt dieses Bedürfnis und versucht, es unmittelbar in seine Spielmechanik einzubinden. Dadurch wird das Sammeln von Informationen nicht bloß zu einer optionalen Beschäftigung, sondern zu einem entscheidenden Bestandteil des Fortschritts. Wer sorgfältig arbeitet, kann spätere Durchläufe gezielter angehen und muss nicht jede Erkenntnis erneut mühsam rekonstruieren.

Allerdings ist K9 kein vollständiger Ersatz für die eigene Aufmerksamkeit. Das System nimmt dem Spieler nicht sämtliche Entscheidungen ab und verhindert auch nicht, dass wichtige Zusammenhänge übersehen werden. Besonders bei komplexeren Aufgaben kann es weiterhin sinnvoll sein, sich zusätzliche Notizen zu machen oder bestimmte Informationen bewusst miteinander zu vergleichen. Das empfinde ich grundsätzlich als angemessen, weil ein Rätselspiel schließlich vom eigenständigen Denken leben sollte. Gleichzeitig hätte eine noch komfortablere Organisation der gesammelten Erkenntnisse dazu beitragen können, die teilweise umständlichen Abläufe der Zeitschleifenmechanik stärker abzufedern.

Neben den technischen Herausforderungen bildet die Suche nach der verschwundenen Crew den erzählerischen Mittelpunkt des Abenteuers. RIVAGE nutzt dafür überwiegend eine indirekte Form des Storytellings. Anstatt sämtliche Ereignisse in ausführlichen Rückblenden zu präsentieren, werden Informationen über Nachrichten, persönliche Aufzeichnungen, Audiologs und wissenschaftliche Dokumentationen vermittelt. Dadurch entsteht die Geschichte nicht in einer festgelegten Abfolge, sondern wächst mit dem individuellen Erkundungsfortschritt. Ein zunächst belanglos erscheinender Eintrag kann plötzlich eine andere Bedeutung erhalten, sobald weitere Informationen über die betreffende Person oder ein bestimmtes Experiment bekannt werden.

Dieser Ansatz gefällt mir besonders, weil die Handlung dadurch eng mit dem Gameplay verbunden bleibt. Die Dokumente dienen nicht ausschließlich als Hintergrundmaterial, das man nach Belieben ignorieren kann. Häufig liefern sie auch Hinweise auf technische Abläufe oder helfen dabei, bestimmte Vorgänge innerhalb der Station besser zu verstehen. Gleichzeitig zeichnen sie ein zunehmend differenziertes Bild der Besatzung. Unterschiedliche wissenschaftliche Interessen, persönliche Beziehungen und die Belastungen einer langfristigen Mission fernab der Erde spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Crew besteht nicht einfach aus austauschbaren Namen, sondern aus Menschen, deren Entscheidungen und Eigenheiten für das Verständnis der Ereignisse relevant werden.

Allerdings verlangt diese Erzählweise Geduld und die Bereitschaft, längere Texte tatsächlich zu lesen. Wer eine Geschichte bevorzugt, die hauptsächlich über direkte Dialoge und filmische Zwischensequenzen vermittelt wird, dürfte mit RIVAGE weniger anfangen können. Zudem entwickelt sich die emotionale Bindung zu den Figuren naturgemäß anders, wenn man ihnen vor allem durch ihre Hinterlassenschaften begegnet. Manche Charaktere bleiben stärker im Gedächtnis als andere, und nicht jede persönliche Geschichte erhält die gleiche erzählerische Tiefe. Trotzdem gelingt es dem Spiel, aus dem zunächst recht einfachen Ausgangspunkt einer verschwundenen Besatzung ein vielschichtiges Mysterium zu entwickeln, das über weite Strecken zum Weiterspielen motiviert.

Optisch gehört die Raumstation zu den überzeugendsten Bestandteilen von RIVAGE. Die verschiedenen Bereiche sind detailliert gestaltet und vermitteln eine Mischung aus wissenschaftlicher Funktionalität und futuristischer Technologie. Besonders die Beleuchtung trägt viel zur Atmosphäre bei. Während manche Räume durch ihre hellen Arbeitsbereiche beinahe ein Gefühl von Normalität vermitteln, wirken andere Abschnitte deutlich unheimlicher. Dabei benötigt das Spiel keine übertriebenen Schockeffekte, um eine gewisse Anspannung zu erzeugen. Häufig reicht bereits die Vorstellung, sich vollkommen allein auf einer beschädigten Station weit entfernt von der Erde zu befinden.

Auch das Sounddesign unterstützt diesen Eindruck. Technische Hintergrundgeräusche, elektronische Signale und die vergleichsweise zurückhaltende musikalische Begleitung passen gut zu einem Abenteuer, das seine Spannung überwiegend aus der Umgebung und den unbeantworteten Fragen bezieht. RIVAGE ist kein Horror-Titel im klassischen Sinne, besitzt aber durchaus Momente, in denen die Einsamkeit der Hauptfigur spürbar wird. Gerade weil nicht hinter jeder Tür ein Gegner wartet, kann sich die Aufmerksamkeit vollständig auf die Umgebung konzentrieren. Das macht die Station zu einem Ort, den ich nicht unbedingt als bedrohlich, aber permanent als rätselhaft empfinde.

Weniger überzeugend ist die Bedienung in Situationen, in denen Objekte sehr präzise ausgewählt oder manipuliert werden müssen. Bei einem Spiel, dessen gesamte Mechanik auf Interaktionen mit der Umgebung beruht, fallen solche Ungenauigkeiten besonders stark ins Gewicht. Wenn ich eine Lösung bereits verstanden habe, möchte ich nicht zusätzlich mit der Steuerung kämpfen müssen, um sie umzusetzen. Gerade bei der Verwendung eines Controllers können umständliche Interaktionen den Spielfluss beeinträchtigen. Auch die technische Performance verdient eine differenzierte Betrachtung, da einzelne Plattformen und Hardwarekonfigurationen unterschiedliche Ergebnisse liefern können. Eine pauschale Aussage über stabile Bildraten wäre ohne entsprechende Messungen nicht sinnvoll.

Positiv ist hingegen die vorhandene deutsche Textlokalisierung. Gerade bei einem Titel, in dem wissenschaftliche Informationen, persönliche Nachrichten und technische Hinweise eine so große Rolle spielen, ist eine verständliche Übersetzung ausgesprochen wichtig. Die Sprachausgabe liegt auf Englisch vor, was angesichts der überschaubaren Studiogröße nachvollziehbar ist. Für deutschsprachige Spieler entsteht dadurch kein grundlegendes Verständnisproblem, solange sie bereit sind, die zahlreichen Texte aufmerksam zu lesen.

Je intensiver man sich mit dem Konzept von RIVAGE beschäftigt, desto deutlicher wird, wie viele gute Ideen hier zusammenkommen. Die glaubwürdig gestaltete Raumstation, die persönlichen Geschichten ihrer verschwundenen Besatzung, die physikalisch inspirierten Rätsel und das digitale Gedächtnis K9 ergeben grundsätzlich ein stimmiges Gesamtbild. Besonders beeindruckend ist, dass hinter dem Projekt ein kleines Entwicklerteam steht, das sich an eine vergleichsweise komplexe Verbindung unterschiedlicher Spielmechaniken herangewagt hat. Statt sich auf eine einfache Abfolge voneinander unabhängiger Rätselräume zu beschränken, versucht RIVAGE, seine Aufgaben mit der Geschichte und der Funktionsweise der Station zu verknüpfen.

Genau dieser Ehrgeiz führt allerdings auch zu Problemen. Die Kombination aus anspruchsvollen Rätseln, eingeschränkter Orientierung und wiederkehrenden Durchläufen verlangt dem Spieler teilweise mehr Geduld ab, als für den eigentlichen Schwierigkeitsgrad notwendig wäre. Während ich komplexe Denkaufgaben grundsätzlich begrüße, empfinde ich unnötige Wiederholungen und schwer nachvollziehbare Interaktionsmöglichkeiten als weniger gelungen. Ein gutes Rätsel sollte mich herausfordern, weil ich seine Lösung erst verstehen muss, nicht weil der Weg zu dieser Lösung durch zusätzliche Bedienungsschritte künstlich verlängert wird. Hier hätte RIVAGE von einer stärkeren Konzentration auf seine besten Ideen profitiert.

Trotzdem wäre es falsch, das Spiel allein auf diese Schwächen zu reduzieren. Denn immer dann, wenn eine neue Entdeckung mehrere zuvor offene Fragen beantwortet oder ein technischer Zusammenhang endlich verständlich wird, zeigt das Adventure seine eigentliche Qualität. Die Freude entsteht nicht durch spektakuläre Belohnungen, sondern durch das Gefühl, die Station und ihre Geheimnisse zunehmend besser zu verstehen. Das ist eine Form von Motivation, die gerade klassische Adventure-Fans zu schätzen wissen dürften. RIVAGE ist deshalb kein Spiel, das ich uneingeschränkt jedem empfehlen würde, aber eines, dessen ungewöhnlicher Ansatz durchaus Aufmerksamkeit verdient.

RIVAGE ist ein ambitioniertes Rätselabenteuer, das seine größten Stärken aus der Verbindung von atmosphärischer Erkundung, wissenschaftlichem Mysterium und einer glaubwürdig gestalteten Spielwelt zieht. Die Forschungsstation A.R.E.S. bietet einen abwechslungsreichen und detailreichen Schauplatz, dessen Geheimnisse sich erst durch sorgfältiges Beobachten und Kombinieren erschließen. Besonders die persönlichen Hinterlassenschaften der verschwundenen Besatzung verleihen dem Abenteuer eine erzählerische Tiefe, die weit über das bloße Lösen technischer Aufgaben hinausgeht. Wer Freude daran hat, Geschichten eigenständig zu rekonstruieren und komplexe Zusammenhänge zu entschlüsseln, findet hier zahlreiche interessante Ansätze.

Die größte Schwäche bleibt für mich die Zeitschleifenmechanik. Obwohl sie hervorragend zur Handlung passt und mit dem K9-System sinnvoll ergänzt wird, erzeugt sie nicht immer die gewünschte zusätzliche Spannung. Stattdessen können wiederholte Wege, begrenzte Energieeinheiten und gelegentlich unklare Aufgabenstellungen den Spielfluss spürbar bremsen. Auch die Bedienung einzelner Gegenstände hätte komfortabler ausfallen dürfen. Gerade weil viele Rätsel durchaus clever gestaltet sind, fallen solche Hindernisse besonders unangenehm auf. Sie verhindern zwar nicht, dass RIVAGE interessante Momente bietet, sorgen aber dafür, dass sich das Abenteuer gelegentlich umständlicher anfühlt, als es eigentlich sein müsste.

Dennoch bleibt RIVAGE ein bemerkenswertes Projekt. Es verzichtet auf die üblichen Mittel vieler moderner Science-Fiction-Spiele und vertraut stattdessen darauf, dass eine geheimnisvolle Umgebung, gut durchdachte Rätsel und eine schrittweise enthüllte Geschichte ausreichen, um die Neugier der Spieler zu wecken. Das gelingt nicht in jeder Situation gleichermaßen überzeugend, doch gerade seine Eigenwilligkeit unterscheidet das Abenteuer von zahlreichen anderen Genrevertretern. Wer geduldig ist, gerne experimentiert und auch längere Denkpausen nicht scheut, sollte RIVAGE durchaus eine Chance geben.

Unterm Strich bleibt ein atmosphärisch starkes Science-Fiction-Adventure, dessen interessante Ideen gelegentlich durch die eigene Spielmechanik ausgebremst werden. RIVAGE ist nicht immer komfortabel und sicherlich nicht für jeden Spielertyp geeignet. Für Freunde anspruchsvoller Rätsel, geheimnisvoller Forschungsstationen und ungewöhnlicher Erzählkonzepte bietet es aber genügend Substanz, um sich auf die Suche nach der Wahrheit hinter der A.R.E.S. einzulassen.

TopTechNews_Gold

Review: RIVAGE im Test – Gefangen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und einer endlosen Zeitschleife
8.5
Grafik
8
Sound
7.5
Steuerung
8.5
Spiele Spaß
8.5
Preis Leistung
Gesamtwertung 8.2 / 10
Unser Fazit
Ich liebe Rätselspiele - gemeinsam mit meiner Frau stundenlang Rätsel für Rätsel lösen, kombinieren und sich gemeinsam über die Lösung freuen. Das auch noch in einer interessanten Geschichte verpackt? RIVAGE macht hier alles richtig!
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Michael Barkow
Michael Barkowhttps://www.twitch.tv/gutertag_streaming
1989 erblickte ich das Licht dieser Welt - und bereits 1998 entdeckte ich das Zocken; damals noch mit Command & Conquer: Alarmstufe Rot von 1996. Seitdem bekommt mich die Gamingwelt nicht mehr los. 2005 begann dann für mich die Reise in World of Warcraft und die MMO-Szene hatte mich begeistert. Seitdem habe ich vieles gesehen und erlebt und hüpfe immer mal wieder von einem zum anderen MMO, da ich es nie ganz sein lassen kann. Mit meiner 2015 geborenen Tochter habe ich aber etwas gefunden, dass noch mehr Interesse und Begeisterung weckt. Da das Leben mit Familie tagsüber fesselt, habe ich das Streamen und Zocken am Abend für mich entdeckt. Somit bekommt das Zocken weiterhin seinen Platz in meinem Alltag.

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