Review: Nights im Test – Zwischen Neonlichtern, großen Träumen & dem ganz normalen Überlebenskampf

Eine eigene Existenz aufbauen, Freundschaften schließen und das Leben in einer gewaltigen Cyberpunk-Metropole genießen: Nivalis Nights verspricht eine ungewöhnliche Mischung aus Lebenssimulation, Wirtschaftsspiel und erzählerischem Abenteuer. Doch hinter den schillernden Neonfassaden verbirgt sich eine Stadt, die ihren Bewohnern wenig schenkt. Wie gut funktioniert diese Mischung, und kann das Spiel seine ambitionierten Ideen tatsächlich umsetzen?

Cyberpunk-Welten haben mich schon immer fasziniert. Gewaltige Wolkenkratzer, flackernde Reklametafeln, verregnete Straßenschluchten und eine Gesellschaft, in der technischer Fortschritt längst nicht mehr automatisch ein besseres Leben bedeutet, bilden eine Kulisse, die unzählige Geschichten erzählen kann. Mit Nivalis Nights wagt sich das Entwicklerstudio ION LANDS erneut in eine solche Umgebung. Bereits mit Cloudpunk bewies das Team, dass es ein Gespür für atmosphärische Science-Fiction-Städte besitzt. Diesmal steht allerdings nicht der Beruf eines Lieferfahrers im Mittelpunkt, sondern der Versuch, sich als gewöhnlicher Bewohner eine eigene Zukunft aufzubauen.

Das klingt zunächst erstaunlich unspektakulär. Schließlich geht es nicht darum, einen Konzern zu stürzen, die Welt zu retten oder sich als bewaffneter Söldner einen Namen zu machen. Stattdessen beginnt die eigene Geschichte mit einem heruntergewirtschafteten Ramen-Restaurant, finanziellen Verpflichtungen und der Hoffnung, irgendwann mehr aus seinem Leben machen zu können. Genau dieser Ansatz macht Nivalis Nights interessant. Während andere Cyberpunk-Spiele vor allem die spektakulären Seiten ihrer dystopischen Gesellschaften beleuchten, konzentriert sich dieses Abenteuer auf die Menschen, die innerhalb solcher Strukturen ihren Alltag bewältigen müssen.

Die Stadt selbst ist dabei weit mehr als eine austauschbare Hintergrundkulisse. Nivalis erstreckt sich über verschiedene Ebenen, verbindet heruntergekommene Viertel mit wohlhabenden Bezirken und vermittelt das Bild einer Gesellschaft, deren soziale Unterschiede buchstäblich in ihrer Architektur sichtbar werden. Überall begegnen einem Menschen, die eigene Hoffnungen, Sorgen und Geheimnisse mit sich herumtragen. Gleichzeitig erinnert die allgegenwärtige Präsenz großer Konzerne daran, dass wirtschaftlicher Erfolg hier keineswegs selbstverständlich ist.

Besonders reizvoll erscheint mir an diesem Konzept, dass der Spieler nicht als außergewöhnlicher Held behandelt wird. Man ist zunächst einfach ein weiterer Mensch, der versucht, seinen Platz in einer Stadt zu finden, die sich kaum für individuelle Schicksale interessiert. Damit schafft Nivalis Nights eine interessante Ausgangslage für eine Lebenssimulation, die deutlich mehr erzählen möchte als die übliche Geschichte vom kleinen Geschäft, das irgendwann zum erfolgreichen Unternehmen heranwächst.

Das wirtschaftliche Fundament von Nivalis Nights bildet zunächst die Führung eines kleinen Gastronomiebetriebs. Mit dem Ramen-Restaurant Ramen Noir übernimmt man einen Betrieb, dessen wirtschaftliche Situation alles andere als erfreulich ist. Statt mit einem komfortablen Startkapital ausgestattet zu werden, muss man sich mit Schulden, laufenden Kosten und den alltäglichen Herausforderungen eines Geschäfts auseinandersetzen.

Die grundlegenden Aufgaben sind dabei schnell nachvollziehbar. Zutaten müssen beschafft, Speisen angeboten und Kunden zufriedengestellt werden. Gleichzeitig gilt es, den Betrieb sinnvoll einzurichten und die vorhandenen Möglichkeiten möglichst effizient zu nutzen. Das Spiel verbindet diese Tätigkeiten mit einem Fortschrittssystem, das nach und nach zusätzliche unternehmerische Perspektiven eröffnet. Aus dem bescheidenen Einstieg kann so eine umfangreichere Geschäftstätigkeit entstehen, die schließlich auch andere gastronomische Einrichtungen und das Nachtleben der Stadt umfasst.

Gerade die Verbindung aus wirtschaftlichem Aufbau und persönlicher Lebensgestaltung besitzt großes Potenzial. Denn anders als in klassischen Wirtschaftssimulationen existiert das eigene Unternehmen nicht losgelöst von der übrigen Spielwelt. Es ist Bestandteil des täglichen Lebens und damit auch ein Mittel, um sich größere Freiheiten zu erarbeiten. Mehr Geld bedeutet nicht nur zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten, sondern kann ebenso in Wohnraum, Einrichtung und persönliche Interessen investiert werden.

Allerdings offenbart sich an dieser Stelle eine der wesentlichen Schwächen des Spiels. Die wirtschaftlichen Abläufe sind zwar zugänglich und bieten unterschiedliche Beschäftigungsmöglichkeiten, erreichen aber nicht die Tiefe spezialisierter Managementsimulationen. Viele Tätigkeiten folgen recht einfachen Mustern, die mit zunehmender Spielzeit an Abwechslung verlieren können. Das gilt insbesondere für wiederkehrende Kundeninteraktionen und die Zubereitung von Speisen, deren Abläufe auf Dauer mechanisch wirken.

Hinzu kommt, dass die Verwaltung des Personals und die Organisation einzelner Betriebsabläufe nicht immer so reibungslos funktionieren, wie man es sich wünschen würde. Zwar wurden seit der Veröffentlichung bereits mehrere Verbesserungen vorgenommen, doch die grundsätzliche Herausforderung bleibt bestehen: Nivalis Nights möchte eine Wirtschaftssimulation sein, ohne sich vollständig auf die Komplexität einer solchen festzulegen.

Das ist nicht zwangsläufig ein Fehler. Wer sich eine zugängliche Lebenssimulation mit wirtschaftlichen Elementen wünscht, dürfte mit dieser Ausrichtung durchaus zufrieden sein. Wer hingegen auf eine anspruchsvolle Unternehmensverwaltung mit komplexen Produktionsketten, ausgefeilter Personalplanung und langfristigen wirtschaftlichen Entscheidungen hofft, wird vermutlich enttäuscht.

Seine eigentliche Stärke entwickelt Nivalis Nights abseits der wirtschaftlichen Tabellen und alltäglichen Geschäftsabläufe. Die Stadt wird von einer Vielzahl unterschiedlicher Persönlichkeiten bevölkert, deren Geschichten den gesellschaftlichen Hintergrund dieser Cyberpunk-Welt greifbar machen. Dabei geht es keineswegs ausschließlich um harmlose Alltagsgespräche oder kleine Gefälligkeiten. Vielmehr beschäftigt sich das Spiel mit wirtschaftlicher Abhängigkeit, persönlichen Schicksalsschlägen, gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten und der Frage, welchen Wert ein einzelnes Leben in einer weitgehend kommerzialisierten Welt besitzt.

Die erzählerische Gestaltung profitiert davon, dass Nivalis nicht ausschließlich als düsterer Ort präsentiert wird. Zwischen all den wirtschaftlichen Schwierigkeiten und gesellschaftlichen Missständen existieren auch Humor, Freundschaft, persönliche Träume und die Hoffnung auf Veränderung. Diese Gegensätze verleihen der Spielwelt eine gewisse Glaubwürdigkeit. Schließlich besteht selbst das Leben in einer dystopischen Zukunft nicht ausschließlich aus Verzweiflung.

Besonders interessant ist die Entscheidung, zahlreiche Charaktere mit eigenen Geschichten auszustatten, die über einfache Nebenaufgaben hinausgehen. Dadurch entsteht zumindest erzählerisch der Eindruck einer Stadt, deren Bewohner unabhängig vom Spieler existieren. Gespräche können neue Perspektiven eröffnen, Beziehungen verändern und zusätzliche Einblicke in die unterschiedlichen Gesellschaftsschichten ermöglichen.

Gleichzeitig beschränkt sich die übergeordnete Handlung nicht auf den persönlichen Aufstieg. Eine bedrohliche Mordserie, deren Opfer mit finanziellen Schulden in Verbindung stehen, sorgt dafür, dass sich hinter dem alltäglichen Stadtleben eine deutlich düsterere Geschichte entfaltet. Diese Verbindung zwischen persönlicher Existenzgründung und gesellschaftlichem Kriminalfall ist eine reizvolle Idee, weil beide Themen auf unterschiedliche Weise dieselbe Frage behandeln: Was geschieht mit Menschen, die ihre wirtschaftlichen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können?

Allerdings hat die umfangreiche Erzählstruktur auch ihre Schattenseiten. Durch die zahlreichen Charaktere, Gespräche und Aufgaben kann die Orientierung innerhalb der Geschichte gelegentlich schwierig werden. Nicht jede Begegnung besitzt dieselbe erzählerische Qualität, und die schiere Menge verfügbarer Beschäftigungen kann dazu führen, dass einzelne Handlungsstränge zwischenzeitlich in den Hintergrund geraten.

Trotzdem gehört die erzählerische Vielfalt zu den überzeugendsten Bestandteilen von Nivalis Nights. Gerade für Spieler, die gerne Geschichten entdecken und sich mit den Bewohnern einer virtuellen Welt beschäftigen, dürfte dieser Bereich einen wesentlichen Teil der Motivation ausmachen.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Spielkonzepts ist die Möglichkeit, den eigenen Tagesablauf weitgehend selbst zu gestalten. Niemand zwingt einen dazu, jede verfügbare Stunde ausschließlich mit wirtschaftlichen Aktivitäten zu verbringen. Stattdessen kann man die Stadt erkunden, Kontakte pflegen, angeln gehen oder sich mit der Gestaltung des eigenen Zuhauses beschäftigen.

Diese Freiheit verleiht Nivalis Nights eine gewisse Nähe zu klassischen Lebenssimulationen. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass die vertrauten Beschäftigungen nicht in einer idyllischen Kleinstadt oder einer freundlichen Dorfgemeinschaft stattfinden, sondern innerhalb einer technologisch hochgerüsteten Metropole, deren gesellschaftliche Strukturen alles andere als einladend sind.

Gerade dieser Gegensatz macht einen großen Teil des Reizes aus. Ein ruhiger Angelausflug wirkt in einer solchen Umgebung anders als in einer friedlichen Landschaft. Auch die Einrichtung einer Wohnung bekommt eine zusätzliche Bedeutung, wenn sich unmittelbar vor der Haustür eine überfüllte, wirtschaftlich gespaltene Großstadt erstreckt. Das eigene Zuhause wird damit zumindest atmosphärisch zu einem Rückzugsort, der einen bewussten Kontrast zur hektischen Außenwelt bildet.

Die spielerische Umsetzung kann allerdings nicht immer mit diesen interessanten Ideen mithalten. Viele Freizeitaktivitäten besitzen eher ergänzenden Charakter und bieten für sich genommen nur begrenzte mechanische Tiefe. Das Angeln beispielsweise erweitert die Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, dürfte aber kaum Spieler zufriedenstellen, die eine besonders umfangreiche Angelsimulation erwarten.

Ähnliches gilt für die persönliche Wohnraumgestaltung. Die verfügbaren Einrichtungsmöglichkeiten erlauben eine individuelle Gestaltung, allerdings kann die Platzierung einzelner Möbelstücke umständlich ausfallen. Solche Schwierigkeiten sind besonders ärgerlich, weil gerade kreative Tätigkeiten von einer möglichst intuitiven Bedienung profitieren sollten.

Insgesamt vermittelt Nivalis Nights damit eine interessante Form spielerischer Freiheit, die allerdings nicht mit uneingeschränkter Handlungsvielfalt verwechselt werden sollte. Man kann zahlreiche Dinge unternehmen, doch nicht jede dieser Beschäftigungen ist gleichermaßen ausgereift.

Optisch besitzt Nivalis Nights eine unverwechselbare Identität. Das Spiel setzt auf eine stilisierte Voxel-Grafik, die bereits aus Cloudpunk bekannt ist und auch diesmal hervorragend zur futuristischen Architektur der Spielwelt passt. Die kantigen Formen der Gebäude, Fahrzeuge und Figuren werden durch eine aufwendige Beleuchtung ergänzt, die der Umgebung eine bemerkenswerte atmosphärische Wirkung verleiht.

Besonders die Kombination aus künstlichen Lichtquellen, dicht bebauten Stadtvierteln und wechselnden Wetterbedingungen trägt wesentlich zum Erscheinungsbild bei. Neonreklamen setzen farbliche Akzente, während die unterschiedlichen Ebenen der Metropole ein Gefühl räumlicher Größe vermitteln. Die Stadt wirkt dadurch stellenweise wie ein gewaltiges, begehbares Diorama, dessen einzelne Bestandteile gemeinsam ein faszinierendes Gesamtbild ergeben.

Dabei profitiert die Darstellung davon, dass sie keinen fotorealistischen Anspruch verfolgt. Stattdessen entsteht eine eigenständige Ästhetik, die technische Beschränkungen teilweise bewusst in ihre Gestaltung integriert. Gerade im Vergleich zu zahlreichen anderen Cyberpunk-Spielen ist das ein großer Vorteil, weil Nivalis Nights nicht versucht, durch möglichst realistische Charaktermodelle oder aufwendige Oberflächendetails zu beeindrucken.

Dennoch sollte man die visuelle Qualität nicht mit einer gleichermaßen überzeugenden Simulation des Stadtlebens verwechseln. Eine beeindruckende Kulisse bedeutet nicht automatisch, dass sich jede Straße lebendig anfühlt oder jeder Bereich interessante Entdeckungen bereithält. Insbesondere dann, wenn man längere Zeit mit wiederkehrenden Wegen und alltäglichen Aufgaben beschäftigt ist, kann sich eine gewisse Ernüchterung einstellen.

Die akustische Gestaltung ergänzt das visuelle Erscheinungsbild. Hintergrundgeräusche, Gespräche und Musik tragen zur Atmosphäre bei und unterstützen die Vorstellung einer Stadt, die unabhängig von den eigenen Aktivitäten weiterexistiert. Besonders die umfangreiche Vertonung zahlreicher Dialoge hilft dabei, den unterschiedlichen Bewohnern eine eigene Persönlichkeit zu verleihen.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Präsentation zu den größten Stärken des Spiels gehört. Selbst dort, wo einzelne Spielmechaniken Schwächen zeigen, besitzt die Welt eine visuelle Eigenständigkeit, die neugierig macht und zum Erkunden einlädt.

Neben der wirtschaftlichen Entwicklung und den erzählerischen Aufgaben spielen persönliche Beziehungen eine wichtige Rolle. Nivalis Nights ermöglicht es, Freundschaften aufzubauen, Konflikte auszutragen und unter bestimmten Voraussetzungen auch romantische Beziehungen einzugehen.

Dabei verfolgt das Spiel einen etwas anderen Ansatz als viele klassische Lebenssimulationen. Zwischenmenschliche Beziehungen werden nicht ausschließlich über offensichtlich gekennzeichnete Sympathiepunkte oder leicht erkennbare romantische Dialogoptionen vermittelt. Stattdessen können Gesprächsentscheidungen unterschiedliche Wirkungen entfalten, ohne dass ihre Konsequenzen immer unmittelbar ersichtlich sind.

Dieser Ansatz besitzt durchaus Charme. Schließlich lassen sich menschliche Beziehungen auch außerhalb virtueller Welten nicht auf wenige klar definierte Werte reduzieren. Missverständnisse, unterschiedliche Erwartungen und persönliche Eigenheiten gehören ebenso dazu wie Sympathie und gegenseitiges Vertrauen.

Allerdings entsteht dadurch ein Spannungsfeld zwischen erzählerischem Anspruch und spielerischer Verständlichkeit. Wenn nicht ausreichend erkennbar ist, welche Wirkung eine bestimmte Aussage entfaltet, kann aus glaubwürdiger Unsicherheit schnell unnötige Frustration werden. Besonders dann, wenn Spieler gezielt eine Beziehung zu einer bestimmten Figur vertiefen möchten, können die vergleichsweise undurchsichtigen Mechanismen hinderlich sein.

Auch hinsichtlich der langfristigen Entwicklung romantischer Beziehungen bleibt die Umsetzung hinter den Möglichkeiten zurück, die das umfangreiche Figurenensemble zunächst vermuten lässt. Die Charaktere sind häufig interessant geschrieben, doch die eigentlichen Beziehungssysteme erreichen nicht immer dieselbe Tiefe.

Damit bestätigt sich ein Eindruck, der sich durch mehrere Bereiche von Nivalis Nights zieht: Die erzählerischen Grundlagen sind oftmals überzeugender als die dazugehörigen spielmechanischen Systeme.

So beeindruckend die Stadt optisch erscheinen kann, so anspruchsvoll ist ihre technische Umsetzung. Gerade bei umfangreichen Stadtgebieten, zahlreichen gleichzeitig simulierten Figuren und komplexeren Spielsituationen können Leistungsprobleme auftreten.

Bereits kurz nach der Veröffentlichung sah sich das Entwicklerteam mit entsprechenden Rückmeldungen konfrontiert und veröffentlichte mehrere Aktualisierungen, die sich unter anderem mit der Performance, dem Verhalten von Charakteren und unterschiedlichen Fehlern beschäftigten. Auch Probleme bei einzelnen Aufgaben sowie Schwierigkeiten innerhalb der Geschäftsverwaltung wurden nachträglich korrigiert.

Diese kontinuierliche Weiterentwicklung ist grundsätzlich positiv zu bewerten. Gleichzeitig verdeutlicht sie, dass Nivalis Nights zum Veröffentlichungszeitpunkt noch nicht in allen Bereichen den technischen Zustand erreicht hatte, den man sich von einem fertigen Produkt wünschen würde.

Besonders bei einem Spiel, das stark von seiner Atmosphäre lebt, können Leistungseinbrüche störend wirken. Wenn die Erkundung einer dicht bevölkerten Straße durch Ruckler unterbrochen wird oder bestimmte Abläufe nicht zuverlässig funktionieren, leidet darunter nicht nur die Bedienbarkeit, sondern auch das Gefühl, tatsächlich Bestandteil dieser virtuellen Welt zu sein.

Die bis Ende Oktober veröffentlichten Aktualisierungen zeigen zwar, dass ION LANDS aktiv an Verbesserungen arbeitet, erlauben aber keine pauschale Entwarnung für sämtliche Hardwarekonfigurationen. Wie flüssig Nivalis Nights tatsächlich läuft, hängt weiterhin von der verwendeten Hardware, den Grafikeinstellungen und der jeweiligen Spielsituation ab.

Deshalb sollte die technische Seite bei einer Kaufentscheidung berücksichtigt werden. Wer besonders empfindlich auf schwankende Bildraten oder gelegentliche technische Unregelmäßigkeiten reagiert, dürfte mit einer gewissen Zurückhaltung besser beraten sein.

Nach der Betrachtung der einzelnen Spielbestandteile zeichnet sich ein recht klares Gesamtbild ab. Nivalis Nights besitzt eine faszinierende Ausgangsidee und verbindet unterschiedliche Genres auf eine Weise, die man in dieser Form nur selten findet. Die Mischung aus Lebenssimulation, wirtschaftlichem Aufbau, persönlicher Charakterentwicklung und umfangreicher Geschichte unterscheidet sich deutlich von den üblichen Vertretern dieser Spielrichtungen.

Gleichzeitig liegt genau darin eine der größten Herausforderungen. Indem Nivalis Nights möglichst viele unterschiedliche Tätigkeiten und Systeme miteinander kombinieren möchte, fehlt es einzelnen Bereichen an der notwendigen spielerischen Tiefe. Die Geschäftsverwaltung ist zugänglich, aber langfristig nicht besonders komplex. Freizeitaktivitäten erweitern die Beschäftigungsmöglichkeiten, entwickeln jedoch selten einen eigenständigen spielerischen Reiz. Beziehungen profitieren von interessanten Charakteren, bleiben mechanisch aber vergleichsweise überschaubar.

Das führt zu einer ungewöhnlichen Situation: Nivalis Nights wirkt in seiner Gesamtheit ambitionierter als in vielen seiner einzelnen Bestandteile. Die Stadt, ihre Bewohner und die übergeordnete Geschichte ergeben ein überzeugendes Fundament, während manche Spielmechaniken eher wie funktionale Ergänzungen erscheinen.

Besonders deutlich wird dieser Unterschied bei der Frage nach der langfristigen Motivation. Wer Freude daran hat, eine virtuelle Welt kennenzulernen, Geschichten zu verfolgen und den eigenen Alltag innerhalb einer ungewöhnlichen Umgebung zu gestalten, findet zahlreiche Anknüpfungspunkte. Wer dagegen vor allem ausgefeilte Managementsysteme, komplexe Simulationen oder besonders abwechslungsreiche Einzelaktivitäten erwartet, dürfte schneller an die Grenzen des Konzepts stoßen.

Auch die Orientierung innerhalb der Stadt und die Struktur der zahlreichen Aufgaben können gelegentlich überfordern. Nivalis Nights vermittelt zwar den Eindruck großer Freiheit, verlangt seinen Spielern aber gleichzeitig die Bereitschaft ab, sich mit den Eigenheiten seiner Systeme auseinanderzusetzen.

Daraus ergibt sich ein Spiel, das weniger durch perfekte Mechaniken als vielmehr durch die Summe seiner Ideen überzeugen möchte.

Nivalis Nights ist ein ungewöhnliches Spiel, dessen größte Stärke nicht unbedingt in den Tätigkeiten liegt, mit denen man den Großteil seiner Zeit verbringt. Vielmehr ist es die Stadt selbst, die das Abenteuer interessant macht. Die Verbindung aus beeindruckender Cyberpunk-Atmosphäre, zahlreichen Charaktergeschichten und dem Versuch, sich innerhalb einer wirtschaftlich gnadenlosen Gesellschaft eine eigene Existenz aufzubauen, bildet ein faszinierendes Fundament.

Besonders gelungen ist die Entscheidung, den Alltag gewöhnlicher Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Statt einer weiteren Geschichte über außergewöhnliche Helden und spektakuläre Weltrettungen erzählt Nivalis Nights von finanziellen Schwierigkeiten, persönlichen Beziehungen, gesellschaftlichen Gegensätzen und dem Wunsch nach einem besseren Leben. Gerade diese Perspektive unterscheidet das Spiel von vielen anderen Vertretern des Cyberpunk-Genres.

Allerdings kann die spielerische Umsetzung nicht durchgehend mit den erzählerischen Ambitionen mithalten. Die wirtschaftlichen Mechaniken bieten zu wenig Tiefe, manche Freizeitaktivitäten bleiben oberflächlich und die Gestaltung persönlicher Beziehungen wirkt stellenweise unausgereift. Hinzu kommen technische Schwierigkeiten, die trotz zahlreicher Aktualisierungen bei der Bewertung nicht vollständig ausgeklammert werden sollten.

Dennoch wäre es falsch, Nivalis Nights ausschließlich anhand dieser Schwächen zu beurteilen. Das Spiel verfolgt eine eigenständige Vision und erschafft eine Welt, die genügend Persönlichkeit besitzt, um auch jenseits ihrer spielmechanischen Möglichkeiten interessant zu bleiben. Gerade die Geschichten der Bewohner und die gesellschaftlichen Hintergründe verleihen der Metropole eine Identität, die vielen größeren Produktionen fehlt.

Nivalis Nights ist deshalb vor allem für Spieler interessant, die sich gerne in ungewöhnlichen Welten verlieren und dabei mehr Wert auf Atmosphäre, Erkundung und erzählerische Inhalte als auf komplexe Spielmechaniken legen. Wer eine anspruchsvolle Wirtschaftssimulation sucht, sollte seine Erwartungen hingegen deutlich zurückschrauben.

Am Ende bleibt eine faszinierende Cyberpunk-Lebenssimulation, die vieles richtig macht, sich mit ihrer Vielzahl unterschiedlicher Ideen aber gelegentlich selbst überfordert. Nivalis Nights zeigt eindrucksvoll, wie reizvoll der Alltag in einer dystopischen Zukunft als Spielkonzept sein kann. Gleichzeitig macht es deutlich, dass eine beeindruckende Welt allein noch kein rundum überzeugendes Spielerlebnis garantiert.

Eine atmosphärisch außergewöhnliche Lebenssimulation mit interessanten Geschichten, viel Persönlichkeit und einer faszinierenden Spielwelt. Die vergleichsweise oberflächlichen Managementsysteme und technischen Schwächen verhindern allerdings eine höhere Bewertung.

TopTechNews_Gold

Review: Nights im Test – Zwischen Neonlichtern, großen Träumen & dem ganz normalen Überlebenskampf
8
Grafik
8
Sound
8
Steuerung
8.5
Spiele Spaß
9
Preis Leistung
Gesamtwertung 8.3 / 10
Unser Fazit
Das Spiel hat eine ganz eigene Dynamik, die fasziniert und fesselt. Die Stadt ist überzeugend gestaltet und bietet einiges, mit dem man sich die Zeit vertreiben kann.
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Michael Barkow
Michael Barkowhttps://www.twitch.tv/gutertag_streaming
1989 erblickte ich das Licht dieser Welt - und bereits 1998 entdeckte ich das Zocken; damals noch mit Command & Conquer: Alarmstufe Rot von 1996. Seitdem bekommt mich die Gamingwelt nicht mehr los. 2005 begann dann für mich die Reise in World of Warcraft und die MMO-Szene hatte mich begeistert. Seitdem habe ich vieles gesehen und erlebt und hüpfe immer mal wieder von einem zum anderen MMO, da ich es nie ganz sein lassen kann. Mit meiner 2015 geborenen Tochter habe ich aber etwas gefunden, dass noch mehr Interesse und Begeisterung weckt. Da das Leben mit Familie tagsüber fesselt, habe ich das Streamen und Zocken am Abend für mich entdeckt. Somit bekommt das Zocken weiterhin seinen Platz in meinem Alltag.

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