Bitcoin wird häufig als digitales Gold bezeichnet. Es hat kein Gewicht und ist nicht greifbar. Doch hinter den leuchtenden Zahlen auf dem Bildschirm verbirgt sich eine Industrie, die Energie verbraucht wie ein Oktoberfestbesucher Brezeln. Die Frage ist einfach: Kann Bitcoin-Mining jemals nachhaltig sein? Insbesondere Deutsche schätzen klare Antworten. Wir trennen Papier und Plastik. Wir runzeln die Stirn, wenn ein Nachbar die Komposttonne vergisst.
Betrachten wir also das Mining von Bitcoin mit derselben Ernsthaftigkeit. Und vielleicht auch mit einem kleinen Grinsen.
Energiehungrige Blöcke
Um das Problem zu verstehen, müssen wir zunächst erklären, wie Bitcoin hergestellt wird. Neue Coins entstehen, wenn Miner kryptografische Rätsel lösen. Diese Rätsel sind nicht wie das Kreuzworträtsel in der Sonntagszeitung. Sie sind eher so, als würde man einen Computer bitten, milliardenfach zu würfeln, bis er die richtige Zahl würfelt. Das kostet Strom. Sehr viel Strom.
Stellen Sie sich München an einem Winterabend vor, wenn alle Wasserkocher gleichzeitig kochen. Das ist in etwa der Energiebedarf. Deutschland ist besonders sensibel, wenn es um den Energieverbrauch geht. Die Energiewende, unser großer Übergang zu erneuerbaren Energien, ist sowohl ein Grund zum Stolz als auch ein ständiges Problem. Wir lieben Windräder an der Nordseeküste. Wir diskutieren über Solarzellen auf jedem Dach von Freiburg bis Hamburg. Wenn das Schürfen von Bitcoin in diese Diskussion kommt, verdrehen viele Deutsche die Augen.
Sie fragen, warum jemand Strom für magisches Internetgeld verschwenden sollte, während Haushalte aufgefordert werden, ihre Ladegeräte nachts aus der Steckdose zu ziehen.
Doch das Bild ist vielschichtiger, als es zunächst erscheint. Ja, Bitcoin-Mining verbraucht Energie. Aber Energieverbrauch an sich ist nicht immer schlecht. Der Schlüssel liegt darin, woher der Strom kommt. Ein Kohlekraftwerk in Polen ist eine Sache. Ein Wasserkraftwerk in Norwegen ist eine ganz andere. Und hier kommen wir zu einer interessanten Wendung. Bitcoin-Miner suchen oft nach günstigem Strom. Günstiger Strom ist oft erneuerbar. Denn Sonne und Wind kosten nach ihrer Installation fast nichts, um Strom zu produzieren.
Europas doppeltes Gesicht
Aus europäischer Sicht ist die Nachhaltigkeit des Bitcoin-Minings ein Rätsel mit zwei Seiten. Auf der einen Seite stehen Länder wie Deutschland. Wir haben hohe Strompreise und strenge Klimaziele. Mining ist hier teuer und politisch unpopulär. Nur wenige Miner richten in Berlin große Lagerhallen mit brummenden Maschinen ein. Die Stromrechnung würde sie schneller ruinieren, als man „Energiewende” sagen kann.
Auf der anderen Seite stehen Länder wie Island. Dort sprudelt geothermische Energie aus dem Boden und Wasserkraft fließt unaufhörlich. In diesen kälteren Regionen sparen Miner sogar Geld für die Kühlung. Klimaanlagen sind nicht erforderlich, da der arktische Wind diese Aufgabe kostenlos übernimmt. Aus dieser Perspektive erscheint der Bitcoin-Mining in Europa bereits recht umweltfreundlich. Viele der Betriebe, die überleben, tun dies gerade deshalb, weil sie an erneuerbare Energiequellen angeschlossen sind.
Aber wir sollten das Bild nicht zu rosig malen. Europa als Ganzes importiert immer noch viel fossile Energie. Selbst wenn Miner sich an erneuerbare Netze anschließen, kann das Gesamtsystem belastet werden. Die zusätzliche Nachfrage könnte einige Länder dazu veranlassen, Gaskraftwerke anzufahren. Das würde mehr CO₂-Emissionen bedeuten. Es ist ein Tanz mit vielen Partnern. Und die Deutschen lieben einen vorsichtigen Tanz. Nicht zu schnell. Nicht zu ungeschickt.
Ein deutscher Weg nach vorn
Wie sieht also die deutsche Perspektive zur Nachhaltigkeit des Bitcoin-Mining aus? Deutsche sind praktische Träumer. Wir möchten unseren Kuchen aus Roggenmehl. Wir möchten, dass er biologisch ist. Und wir möchten, dass er mit einem Lastenfahrrad geliefert wird. Das Gleiche gilt für digitales Geld. Wenn Bitcoin in der Wirtschaft der Zukunft eine Rolle spielen soll, muss es mit unserer Vision von grüner Energie und effizienten Systemen im Einklang stehen.
Das könnte bedeuten, dass Miner dazu ermutigt werden, sich dort anzusiedeln, wo erneuerbare Überschüsse entstehen. In windigen Nächten produziert das deutsche Stromnetz manchmal mehr Strom, als die Haushalte benötigen. Die Preise fallen dann sogar ins Minus. Stellen Sie sich vor, man würde die Menschen dafür bezahlen, Strom zu verbrauchen. Bitcoin-Miner könnten als flexible Schwämme fungieren, die diesen Überschuss aufsaugen und so Verschwendung verhindern.
Innovativ werden ist vielleicht die Lösung
Einige deutsche Unternehmen untersuchen bereits, wie die Wärme von Mining-Computern genutzt werden kann. Anstatt riesige Hallen zu kühlen, könnte man die Wärme in Gewächshäuser leiten. Mit Bitcoin angebaute Tomaten in Brandenburg. Das klingt wie ein Scherz, wird aber bereits getestet. In einem Land, in dem Menschen Socken aus recycelter Wolle stricken, können solche Ideen tatsächlich Anklang finden. Die größere Lehre daraus ist, dass Nachhaltigkeit kein einfacher Schalter ist, den man umlegt. Es ist ein Prozess. Deutschland war einst stark von Kohle abhängig. Heute verfügt es über Millionen von Solarzellen. Die gleiche Transformation könnte auch für Bitcoin gelten. Heute erscheint die Mining-Industrie vielen als schmutzig.
Letztendlich werden die Deutschen wahrscheinlich weiterhin über Bitcoin klagen. Wir beklagen uns über alles, vom Bierpreis auf dem Oktoberfest bis zur Pünktlichkeit der Züge. Aber hinter dem Klagen verbirgt sich der Wille zur Verbesserung. Wenn sich der Bitcoin-Mining anpasst, wenn er wirklich zu einem Partner der erneuerbaren Revolution wird, dann könnte sogar die strengste schwäbische Großmutter nicken und sagen: Ja. Das macht Sinn.
Nachhaltigkeit im Bitcoin-Mining ist daher kein festes Urteil. Es ist eine Verhandlung. Zwischen Technologie und Gesellschaft. Zwischen Kraftwerken und Stromverbrauchern. Zwischen digitalen Coins und sehr realen Emissionen. Die europäische Bühne macht das Drama noch spannender. Und wir Deutschen, mit unserer Liebe zu Ordnung und Innovation, werden das Geschehen weiterhin genau beobachten.

