World of Warcraft zwischen Nostalgie und Neuanfang
World of Warcraft hat derzeit eine bemerkenswerte Präsenz auf den großen Livestreaming-Plattformen. Seit einigen Wochen ist Blizzards MMO-Urgestein wieder im Fokus der Community, nicht, dass es jemals weg gewesen wäre, aber aktuell ist es omnipräsent. Verantwortlich dafür ist jedoch nicht allein die für März angekündigte Erweiterung Midnight. Einen wesentlichen Anteil an diesem erneuten Aufschwung haben auch mehrere bekannte deutsche Streamer, wie metashi12, Papaplatte und HandOfBlood, die mit ihrem WoW-Classic-Hardcore-Projekt ein breites Publikum erreichen.
Das Ziel dieses Projekts ist klar definiert und zugleich ambitioniert: Der erste Raid in WoW Classic Hardcore soll bestritten werden – ohne jegliche externe Hilfe außerhalb der eigenen Gilde. Genau hier liegt auch die besondere Herausforderung. Im Hardcore-Modus können selbst vermeintlich kleine Fehler gravierende Folgen haben. Jeder Tod eines Charakters führt unweigerlich zu dessen endgültiger Löschung und einem Neustart auf Stufe 1. Ein Regelwerk, das Emotionen provoziert und das Spielgeschehen spürbar intensiviert. Dramatische Momente und emotionale Reaktionen gehören damit zwangsläufig zum Konzept.
All for One – Retail neu gedacht
Die mediale Präsenz dieses Projekts hat bei vielen ehemaligen und aktiven Spielern den Wunsch geweckt, erneut nach Azeroth zurückzukehren. Innerhalb der WoWFusion-Community stellte sich um den ganzen Hype des Community Projekts eine Frage: Lässt sich ein solches Gemeinschaftsprojekt auch konzeptionell im Retail-Modus, also der “Standardversion” von World of Warcraft, realisieren?
Die Antwort ist eigentlich klar: Joa, warum nicht?
Die Umsetzung eines solchen Vorhabens erfordert Zeit, Planung und organisatorische Vorbereitung. Am Ende stand jedoch ein Konzept, das sich am Hardcore-Vorbild orientiert, ohne dessen drastische Konsequenzen, die HC mit sich bringt. Die Grundidee blieb aber erhalten: gemeinsames Spielen, feste Regeln und ein Fokus auf das eigentliche Erlebnis – jedoch mit etwas weniger existenziellen Folgen, sollte ein Charakter einmal sterben.

Aus dieser Idee entstand schließlich das Projekt „All for One“ sowie die gleichnamige Gilde auf dem Server „Festung der Stürme“. Ziel für viele Teilnehmer ist es, das Spielgefühl früherer WoW-Zeiten wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Damals, als das gemeinsame Erleben der Welt wichtiger war als Effizienz, Optimierung und der möglichst schnelle Weg zum Endgame. Informationen zum Projekt findet ihr hier!
Gemeinsam statt Dungeonbrowser
Im Zentrum steht dabei bewusst die Gemeinschaft. Gespielt wird mit bekannten Mitstreitern statt mit anonymen Zufallsgruppen, die sich nach einem Dungeon nie wieder begegnen. Der Dungeonbrowser, Handel oder Gruppierungen außerhalb der Gilde sind ausgeschlossen. Stattdessen soll World of Warcraft wieder als gemeinsames Abenteuer verstanden werden – mit all seinen Geschichten, Gebieten und Quests.
Der sonst übliche Wettlauf zur Maximalstufe spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Entschleunigung ist das erklärte Ziel. Natürlich bleibt es nicht aus, dass auch innerhalb dieses Projekts Spieler zügig die Maximalstufe erreichen möchten. Entscheidend ist jedoch, dass auch dieser Fortschritt im Rahmen der Gilde und im Zusammenspiel mit der Community erfolgt – nicht isoliert, sondern eingebettet in das gemeinsame Ziel.
Azeroth neu entdecken
World of Warcraft ist mehr als ein Endgame und eine Abfolge von Instanzen. Die Spielwelt ist Heimat tausender NPCs, unzähliger kleiner Geschichten und weit verzweigter Questreihen, die im modernen Spielalltag häufig übersehen oder bewusst ignoriert werden. Neben den großen Erzählsträngen der einzelnen Erweiterungen existieren zahlreiche kleinere Schicksale und Geschichten, die Azeroth Tiefe und Atmosphäre verleihen.
Keine Beschränkung auf Horde oder Allianz, hier kann jeder spielen, was man möchte!
Regeln als Rahmen, nicht als Einschränkung
Wie jedes strukturierte Projekt kommt auch „All for One“ nicht ohne klare Regeln aus. Ein speziell entwickeltes Addon überwacht und steuert die Einhaltung der festgelegten Einschränkungen. Auf den ersten Blick mag das restriktiv wirken, doch der Ansatz ist pragmatisch: Der Spielspaß soll im Vordergrund stehen, nicht die Kontrolle.
Wird beispielsweise versehentlich der Dungeonbrowser geöffnet, blockiert das Addon diesen automatisch und informiert den Spieler per Pop-up. Somit regelt das Addon eigentlich alle wichtigen Punkte selbstständig und ohne weiteres Mitwirken des Spielers. Voraussetzung ist lediglich, dass das Addon aktiv auf dem jeweiligen All-for-One-Charakter läuft.
Sollte es dann doch mal zu Verstößen gegen die Regeln kommen, ist die Konsequenz in erster Linie eine Wiedergutmachung in Form von Diensten für die Gilde. Natürlich behält sich die Orga vor bei groben Dingen, die keinen Platz in der Community haben, auch ein paar Schritte weiter zu gehen.
Die Kommunikation innerhalb der Gilde erfolgt im Game primär über den Gildenchat, wird jedoch durch einen eigenen Discord-Server ergänzt. Dieser dient sowohl dem Sprachchat als auch der Organisation von Events und dem Austausch relevanter Informationen.
Events im Event
Jeder innerhalb der Community darf und soll sich gerne einbringen um beispielsweise kleine Events organisieren. Ob die Gruppensuche für einen Raid, Dungeons, gemeinsames Farmen von Materialien oder der Grind der Berufe… alles kann in Eigeninitiative geplant und durchgeführt werden… selbst wenn man nebeneinander am Wasser steht und die Angelrute ins Wasser hält… so hat man vielleicht jemanden zum Quatschen.
Interessierte Spieler, die Retail bevorzugen und Wert auf entschleunigtes Gameplay legen, finden weitere Informationen auf der Homepage von wowfusion.
Meine persönliche Rückkehr nach über einem Jahrzehnt
Meine eigene Geschichte mit World of Warcraft reicht bis Cataclysm zurück. Damals war ich mit meinem Hunter und einem Frost-DK (als die Skillung noch Tanki war) sowohl im Raid- als auch im PvP-Bereich aktiv. Ein Hackerangriff während eines Urlaubs führte jedoch dazu, dass ich die Lust am Spiel vollständig verlor. Am 13.09.2011 habe ich World of Warcraft zuletzt aktiv gespielt – ein Datum, das sich erstaunlich dauerhaft im Gedächtnis festgesetzt hat.
Ganz losgelassen hat mich Azeroth allerdings nie. Über Jahre hinweg habe ich auf Twitch regelmäßig WoW-Streams verfolgt, oft stundenlang, ohne selbst ins Spiel zurückzukehren.
Der endgültige Anstoß kam schließlich durch einen Streamer, der mich morgens auf dem Weg zur Arbeit begleitet und dieses Projekt vorstellte.
Ein Gruß an dieser Stelle an Chaosschmddi.
Die Idee, ohne den Druck des Max-Level-Rushs zu spielen und stattdessen Community und Zusammenspiel in den Mittelpunkt zu stellen, traf genau einen Nerv. Etwas, das mir früher im Retail-Modus zunehmend gefehlt hatte. Die Konsequenz folgte schnell: Account reaktiviert, Discord beigetreten und am 30.01.2026 gemeinsam mit der Gilde „All for One“ zurück nach Azeroth – nach mehr als 14 Jahren Abwesenheit.
Der Einstieg war erwartungsgemäß überwältigend. Neue Systeme, neue Inhalte, eine stark veränderte Welt. Doch genau darin liegt auch der Reiz. Mir ist bewusst, dass ich nicht alles nachholen kann – und dass ich es auch nicht muss. Solange noch Inhalte offen sind, gibt es einen Grund zurückzukehren.
Den größten Wert hat dieses Projekt für mich jedoch nicht wegen der Spielmechaniken oder Regeln, sondern wegen der Menschen. Die Hilfsbereitschaft, der Austausch und Teil einer Community mit den gleichen Zielen zu sein, geben dem Ganzen eine Qualität, die in modernen MMOs nur noch selten zu finden ist.
In diesem Sinne, wünsche ich allen viel Spaß in World of Warcraft und bei All for One dem Retail-Guildfound-Projekt von wowFusion.
Schönen Gruß Chris aka Demazul aka Garfield288_zockt
Für die Hor…. Ähm … Azeroth!!!

