Kopfhörer sind für viele längst kein Zubehör mehr, das nur für eine Stunde Musik am Abend zum Einsatz kommt. Sie begleiten uns beim Arbeiten, beim Spaziergang, beim Sport, auf dem Weg zum Einkaufen oder während eines Telefonats. Genau dabei entsteht allerdings ein Problem: Klassische In-Ear-Kopfhörer können nach einigen Stunden unangenehm werden und schirmen gleichzeitig die Umgebung stark ab.
Die Shokz OpenFit Air 2 gehen einen anderen Weg. Sie werden nicht in den Gehörgang gesteckt, sondern mit einem Bügel über dem Ohr getragen. Der Lautsprecher sitzt dabei direkt vor dem Gehörgang. Musik und Podcasts bleiben hörbar, gleichzeitig bekommt man weiterhin mit, was um einen herum passiert.
Das macht die OpenFit Air 2 zu einer interessanten Alternative zu klassischen In-Ears. Vor allem der hohe Tragekomfort, das niedrige Gewicht und die lange Akkulaufzeit sollen dafür sorgen, dass die Kopfhörer tatsächlich den ganzen Tag genutzt werden können.

Doch das offene Konzept bringt nicht nur Vorteile mit sich. Das vielleicht Auffälligste an den OpenFit Air 2 ist, wie unauffällig sie sein wollen. Ein einzelner Ohrhörer bringt lediglich 7,2 Gramm auf die Waage. Das ist insbesondere bei längerer Nutzung wichtig, denn jedes zusätzliche Gramm hängt letztlich am Ohr.
Statt eines klassischen Silikonaufsatzes kommt ein flexibler Ohrbügel zum Einsatz. Im Inneren befindet sich eine dünne Nickel-Titan-Legierung, wodurch sich der Bügel an verschiedene Ohrformen anpassen kann. Der eigentliche Lautsprecher liegt vor dem Gehörgang. Das hat gleich zwei Vorteile. Zum einen entsteht nicht dieses typische Druckgefühl, das manche Menschen bei In-Ear-Kopfhörern nach einigen Stunden kennen. Zum anderen sitzt der Kopfhörer nicht allein dadurch sicher, dass ein Silikonaufsatz möglichst fest im Ohr steckt.
Gerade für lange Arbeitstage ist das angenehm. Wer morgens im Homeoffice die Kopfhörer aufsetzt, zwischendurch telefoniert, etwas Musik hört und später noch eine Runde spazieren geht, muss nicht ständig zwischen verschiedenen Kopfhörern wechseln. Auch Brillenträger sollten mit dem vergleichsweise schlanken Bügel grundsätzlich zurechtkommen. Natürlich hängt der Komfort dabei immer ein Stück weit von der eigenen Ohrform und vom Brillengestell ab. Durch die flexible Konstruktion trägt der Bügel jedoch nicht unnötig dick auf.
Der größte Unterschied zu normalen In-Ears zeigt sich bereits wenige Sekunden nach dem Aufsetzen: Die Umgebung verschwindet nicht. Und genau das ist gewollt. Während Musik läuft, bleibt ein Gespräch im Raum wahrnehmbar. Beim Spaziergang hört man ein herannahendes Fahrrad. Im Homeoffice bekommt man die Türklingel mit und beim Joggen ist man nicht vollständig von seiner Umgebung isoliert. Für mich ist genau das der eigentliche Sinn von Open-Ear-Kopfhörern.
Natürlich könnte man bei normalen In-Ears einen Transparenzmodus einschalten. Das fühlt sich jedoch anders an. Dort nehmen Mikrofone die Umgebung auf und spielen sie elektronisch über die Kopfhörer wieder ein. Bei einem offenen Kopfhörer bleibt der Gehörgang dagegen schlicht frei.
Dadurch entsteht ein wesentlich natürlicheres Gefühl für die Umgebung.
Diese Eigenschaft hat allerdings eine Kehrseite. Die OpenFit Air 2 können Umgebungslärm nicht einfach verschwinden lassen. Wer täglich in einer lauten Bahn sitzt oder regelmäßig fliegt und dabei möglichst wenig von seiner Umgebung hören möchte, sucht vermutlich nach einem anderen Kopfhörertyp.
Hier muss man sich vor dem Kauf entscheiden, was wichtiger ist: Abschottung oder Wahrnehmung der Umgebung. Die OpenFit Air 2 entscheiden sich eindeutig für Letzteres. Bei Open-Ear-Kopfhörern stellt sich zwangsläufig die Frage, wie gut Musik überhaupt klingen kann, wenn der Lautsprecher nicht im Gehörgang sitzt.
Shokz setzt bei den OpenFit Air 2 auf ein Dual-Treiber-System mit zwei 11,8-mm-Treibern. Der Lautsprecher ist zusätzlich um 30 Grad angewinkelt, damit der Schall möglichst gezielt in Richtung Ohr gelangt. Ergänzt wird das System durch OpenBass 2.0, mit dem insbesondere die Basswiedergabe verbessert werden soll. Der Ansatz ist wichtig, denn Bass ist traditionell eine der schwierigsten Disziplinen für offene Kopfhörer.
Bei klassischen In-Ears wird der Gehörgang weitgehend abgedichtet. Dadurch lässt sich deutlich mehr Druck erzeugen. Bei einem Open-Ear-Modell fehlt diese geschlossene Kammer. Entsprechend sollte man von den OpenFit Air 2 keinen Bass erwarten, der sich genauso verhält wie bei stark abdichtenden In-Ears oder großen Over-Ear-Kopfhörern.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Musik dünn oder leblos klingen muss. Gerade Stimmen, Podcasts und Musikstücke, bei denen nicht ausschließlich der Tiefbass im Mittelpunkt steht, passen sehr gut zum offenen Konzept. Hinzu kommt eine gewisse Räumlichkeit, die gut zur Bauform passt. Musik wirkt weniger so, als würde sie unmittelbar im Kopf entstehen. Wer Rock, Pop, akustische Musik, Podcasts oder Hörbücher hört, dürfte sich mit dieser Charakteristik schnell anfreunden. Bei basslastiger elektronischer Musik oder Hip-Hop muss man dagegen bereit sein, einen Kompromiss einzugehen. Bass ist vorhanden, der ganz tiefe und körperlich spürbare Druck bleibt konstruktionsbedingt jedoch begrenzt.
Klang ist Geschmackssache. Deshalb ist es positiv, dass man bei den OpenFit Air 2 nicht vollständig auf die Abstimmung ab Werk angewiesen ist.
Über die Shokz-App stehen mehrere Equalizer-Voreinstellungen zur Verfügung. Zusätzlich können eigene EQ-Einstellungen gespeichert werden. Das ist gerade bei einem Open-Ear-Kopfhörer sinnvoll. Wer beispielsweise hauptsächlich Podcasts hört, kann andere Schwerpunkte setzen als jemand, der die Kopfhörer überwiegend für Musik verwendet. Auch ein etwas kräftiger abgestimmter Bass lässt sich über den Equalizer realisieren. Die grundsätzlichen physikalischen Grenzen des offenen Designs verschwinden dadurch natürlich nicht, aber der Klang lässt sich zumindest an den eigenen Geschmack anpassen.

Bei der Bedienung gefällt mir eine Entscheidung besonders gut: Shokz setzt auf physische Drucktasten.
Touchflächen an Kopfhörern sehen zwar modern aus, sind im Alltag aber nicht immer praktisch. Beim Zurechtrücken des Hörers wird versehentlich die Musik pausiert, mit feuchten Fingern funktioniert eine Eingabe nicht richtig oder beim Sport wird aus einem geplanten Doppeltippen plötzlich irgendeine andere Aktion.
Die OpenFit Air 2 umgehen dieses Problem mit echten Tasten. Ein Tastendruck kann beispielsweise die Wiedergabe starten oder pausieren. Auch Anrufe lassen sich darüber steuern. Mehrfaches Drücken ermöglicht den Titelwechsel und über längeres Drücken kann die Lautstärke angepasst werden. Das wirkt vielleicht weniger futuristisch als eine große Touchfläche, ist dafür eindeutig. Gerade beim Joggen oder Spazierengehen möchte ich nicht darüber nachdenken müssen, an welcher Stelle eines winzigen Ohrhörers ich gerade tippen soll. Eine Taste lässt sich erfühlen und liefert direkt eine Rückmeldung.
Neben Musik spielt Telefonie bei solchen Kopfhörern inzwischen eine große Rolle. Wer die OpenFit Air 2 während eines Arbeitstages trägt, möchte sie schließlich nicht für jedes Telefonat abnehmen. Dafür besitzen die Kopfhörer ein Dual-Mikrofonsystem. Eine KI-gestützte Geräuschunterdrückung soll dabei helfen, die eigene Stimme von Hintergrundgeräuschen zu unterscheiden.
Gerade für Homeoffice und Büro ist das interessant. Der offene Aufbau hat hier sogar einen zusätzlichen Vorteil: Beim Sprechen hört man die eigene Stimme weiterhin auf natürliche Weise. Wer schon einmal mit stark abdichtenden In-Ears länger telefoniert hat, kennt den gegenteiligen Effekt. Die eigene Stimme kann plötzlich ungewohnt dumpf oder unangenehm laut wirken. Bei einem offenen System tritt dieses Gefühl deutlich weniger auf. Für Videokonferenzen, spontane Telefonate und Sprachnachrichten sind die OpenFit Air 2 damit gut aufgestellt.
Eine Funktion, die ich bei modernen Bluetooth-Kopfhörern nicht mehr missen möchte, ist Multipoint. Die OpenFit Air 2 können mit zwei Geräten gleichzeitig verbunden werden. Ein typisches Szenario wäre die Kombination aus Notebook und Smartphone. Während der Arbeit läuft beispielsweise Musik vom Rechner. Kommt anschließend ein Anruf auf dem Smartphone herein, muss nicht erst umständlich die Bluetooth-Verbindung gewechselt werden. Nach dem Gespräch geht es wieder am Computer weiter. Gerade bei einem Kopfhörer, dessen Konzept auf ganztägige Nutzung ausgelegt ist, gehört diese Funktion eigentlich zwingend dazu. Schön, dass Shokz sie integriert hat. Als Bluetooth-Version kommt Bluetooth 6.1 zum Einsatz. SBC und AAC werden als Audio-Codecs unterstützt.
Ein Kopfhörer für den ganzen Tag benötigt eine entsprechende Akkulaufzeit. Shokz gibt für die OpenFit Air 2 bis zu acht Stunden Musikwiedergabe mit einer Ladung an. Zusammen mit dem Ladecase steigt die mögliche Gesamtlaufzeit auf bis zu 36 Stunden. Für Telefonate werden bis zu sechs Stunden mit den Ohrhörern beziehungsweise insgesamt bis zu 25 Stunden zusammen mit dem Case angegeben. Natürlich sind solche Laufzeiten immer von Lautstärke, Verbindungsbedingungen und Nutzung abhängig. Trotzdem ist die Größenordnung alltagstauglich. Acht Stunden reichen bereits ungefähr für einen Arbeitstag. Wer die Hörer während einer Mittagspause kurz in das Case legt, verlängert die praktische Nutzungsdauer zusätzlich. Dazu kommt eine Schnellladefunktion. Zehn Minuten Ladezeit sollen bereits genügend Energie für bis zu drei Stunden Musikwiedergabe liefern.

Das ist im Alltag möglicherweise wichtiger als eine möglichst beeindruckende maximale Akkulaufzeit. Stellt man kurz vor einem Spaziergang fest, dass die Kopfhörer leer sind, reichen wenige Minuten im Case aus, um wieder mehrere Stunden Musik hören zu können.
Das Open-Ear-Konzept bietet sich geradezu für Sport im Freien an. Beim Joggen möchte ich beispielsweise Musik hören können, ohne ein herannahendes Fahrrad oder ein Auto komplett auszublenden. Gleichzeitig müssen die Kopfhörer so sicher sitzen, dass sie bei jedem Schritt nicht langsam aus dem Ohr wandern. Hier spielen die Ohrbügel ihre Stärke aus. Statt ausschließlich im Gehörgang Halt zu finden, werden die OpenFit Air 2 am Ohr fixiert. Dadurch eignet sich die Konstruktion auch für stärkere Bewegungen. Die Ohrhörer sind zudem nach IP55 gegen Staub und Wasser geschützt. Schweiß oder ein Regenschauer sind damit kein Grund, die Kopfhörer sofort wegzupacken.
Das Ladecase ist nach IP54 geschützt. Schwimmkopfhörer sind die OpenFit Air 2 deshalb natürlich nicht. Für Joggen, Fitnessstudio, Wandern oder einen Spaziergang bei weniger perfektem Wetter reicht die Schutzklasse aber aus. So überzeugend das Konzept für bestimmte Einsatzbereiche ist, perfekt sind die OpenFit Air 2 nicht. Eine automatische Trageerkennung wäre beispielsweise praktisch gewesen. Nimmt man einen Hörer ab, pausiert die Musik nicht automatisch. Bei Kopfhörern dieser Klasse hätte eine entsprechende Sensorik gut ins Gesamtpaket gepasst. Auch beim Thema Codecs bleibt Shokz eher konservativ. Mit SBC und AAC werden die wichtigsten Standards unterstützt, hochauflösende Bluetooth-Codecs stehen allerdings nicht im Mittelpunkt.
Der deutlich größere Kompromiss ergibt sich ohnehin aus dem Open-Ear-Prinzip selbst. Wer regelmäßig in lauter Umgebung Musik hört, bekommt eben weiterhin einen großen Teil dieser Umgebung mit. Und wer bei Musik einen extrem kräftigen Tiefbass erwartet, wird mit geschlossenen Kopfhörern glücklicher. Das sind weniger klassische Schwächen des OpenFit Air 2 als Konsequenzen des Konzepts. Man sollte sie vor dem Kauf trotzdem kennen.
Besonders interessant finde ich die OpenFit Air 2 für Menschen, die ihre Kopfhörer viele Stunden am Stück tragen. Im Homeoffice kann morgens Musik laufen, anschließend nimmt man an einer Videokonferenz teil und später geht es mit den gleichen Kopfhörern auf einen Spaziergang. Dabei bleibt die Umgebung die ganze Zeit wahrnehmbar.
Auch für Sportler ergibt das Konzept Sinn. Gerade draußen kann es wichtig sein, nicht vollständig von seiner Umgebung abgeschottet zu sein.
Eine weitere Zielgruppe sind Menschen, die klassische In-Ears schlicht nicht mögen. Nicht jeder empfindet einen Silikonaufsatz im Gehörgang über mehrere Stunden als angenehm. Hier bietet das offene Konzept eine echte Alternative.
Weniger geeignet sind die OpenFit Air 2 dagegen für Nutzer, die hauptsächlich in Flugzeugen oder lauten öffentlichen Verkehrsmitteln Musik hören. Auch ausgesprochene Bassliebhaber sollten sich bewusst sein, dass ein offener Kopfhörer konstruktionsbedingt anders klingt als ein abgedichteter In-Ear.
Die Shokz OpenFit Air 2 verfolgen einen angenehm klaren Ansatz: Statt den Nutzer von seiner Umgebung abzuschotten, sollen sich die Kopfhörer möglichst selbstverständlich in den Alltag integrieren. Das funktioniert vor allem durch das geringe Gewicht von nur 7,2 Gramm pro Hörer, den flexiblen Ohrbügel und den freien Gehörgang. Wer Kopfhörer über viele Stunden trägt, bekommt damit eine interessante Alternative zu klassischen In-Ears.
Auch die übrige Ausstattung passt zu diesem Anspruch. Bis zu acht Stunden Akkulaufzeit mit den Ohrhörern, bis zu 36 Stunden zusammen mit dem Case, Schnellladen, Multipoint, App-Unterstützung mit Equalizer und die physischen Bedientasten ergeben ein durchdachtes Gesamtpaket. Besonders die Entscheidung gegen reine Touchbedienung gefällt. Ein Kopfhörer, der beim Sport und unterwegs verwendet werden soll, profitiert von einer Taste, die sich auch ohne hinzusehen zuverlässig bedienen lässt.
Beim Klang sollte man dagegen wissen, worauf man sich einlässt. Die OpenFit Air 2 können einen angenehmen und räumlichen Sound liefern, aber ein offener Kopfhörer wird beim Tiefbass nicht plötzlich die Eigenschaften eines abgedichteten In-Ears entwickeln. Gleichzeitig fehlt bewusst die starke Isolation von Außengeräuschen.
Genau diese vermeintliche Schwäche ist jedoch für viele Nutzer der Kaufgrund.
Man bekommt seine Familie mit, hört die Türklingel, kann im Büro angesprochen werden und nimmt beim Joggen weiterhin seine Umgebung wahr. Trotzdem muss man nicht auf Musik, Podcasts oder Telefonate verzichten. Die OpenFit Air 2 sind deshalb weniger ein Ersatz für jeden beliebigen Kopfhörer als vielmehr eine Alternative für einen bestimmten Einsatzzweck. Wer maximale Ruhe und mächtigen Bass sucht, sollte sich anderweitig umsehen. Wer dagegen Komfort, Bewegungsfreiheit und Wahrnehmung der Umgebung priorisiert, bekommt hier ein ausgesprochen interessantes Konzept.
Am Ende ist vermutlich genau das das größte Kompliment für die OpenFit Air 2: Im Idealfall denkt man nach dem Aufsetzen irgendwann gar nicht mehr darüber nach, dass man Kopfhörer trägt.


