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Mittwoch, November 30, 2022

Review – The Last of Us Part II – Rachefeldzug durch die Apokalypse

Jeder von uns hat mindestens einmal von The Last of Us gehört oder gelesen, wenn man es nicht sogar selbst gespielt hat. Der erste Teil von Naughty Dogs postapokalpytischer Spielereihe hat begeistert mit toller Action, tiefgreifender Story und interessanten und glaubhaften Charakteren, welche auch eine spürbare Entwicklung durchmachen. Begeistert habe ich die Reise von Joel und Ellie betrachtet. Fasziniert war ich auch von der charakterlichen Entwicklung von zum Beispiel Joel – gezeichnet vom Schicksal die junge Ellie quer durch Amerika führen und sich zum Schluss… “Spoileralarm”… . Doch kann Naughty Dog auch mit Teil zwei solch überzeugende Situationen, Charaktere und Umgebungen schaffen? Oder zerbricht The Last of Us Part II an sich selbst und den Erwartungen durch seinen Vorgänger? Im Test belichten wir näher, wie sich das Spiel anfühlt. Hierbei werden keine Spoiler genannt, die nicht bereits in offiziellen Trailern oder Ankündigungen zu sehen oder zu lesen waren.

Das Spiel setzt vier Jahre nach dem ersten Teil an. Joel und Ellie haben sich in Jackson niedergelassen und genießen ein ruhiges, beinahe entspanntes Leben in der Gemeinschaft. Freundschaften wurden geschlossen, ein Alltag aufgebaut. Wie in einem oder anderem Trailer zu sehen war, hat sich auch die ein oder andere Liebe gefunden. Doch The Last of Us wäre kein Survival-Action-Spiel, wenn es stets so ruhig bleiben würde. So bekommen wir es bereits nach wenigen Minuten Cutscenes und Geschichten der erste Begegnung mit Infizierten und der rasanten Action des Spiels geliefert.

Und bereits nach den ersten Spielstunden stellt mich Naughty Dog in eine Situation, die mich die Spielsession kurz danach beenden ließ, um kurz abzuschalten. Während ich zur eigenen Entspannung den Hund streichel, wird mir bewusst: Hier habe ich kein einfaches Survival-Action-Spiel vor mir. Erneut gelingt es Naughty Dog mich vor Situationen zu setzen, die mich fesseln. Eventuell sogar etwas ängstigen. The Last of Us Part II möchte mehr als nur schöne Bilder zeigen; es erzählt eine Geschichte voller Tiefe und Emotionen jeglicher Art. Von Liebe zwischen jungen Menschen und von der Liebe eines Vaters zu seiner “Tochter”… von Hassgefühlen, Rachsucht und den Konsequenzen des eigenen Handelns.

Ellie und Joel haben sich ein Leben in Jackson aufgebaut.

Naughty Dog transportiert hier in sehr gut gelungenen, meisterlichen Zwischensequenzen unterstützt von faszinierend geschriebenen Charakteren. Vor allem die Entwicklung Ellies im Verlauf des Spiels ist bemerkenswert. Das es den Entwicklern gelungen ist, dies so glaubhaft und emotional zum Spieler zu bringen, verdient mehr als nur etwas Anerkennung! Die Logik, welche sich in der Veränderung von Ellie verbirgt, ist stichhaltig. Betrachtet man die Situationen, mit denen sie konfrontiert wurde, kann man gar nicht anders als ihr zuzustimmen.

Natürlich gilt ein Lob hier auch den Schauspielern und Synchronsprechern, allen voran Ashley Johnson, welche Ellie verkörpert. Es ist dermaßen überzeugend, dass man direkt mitleidet, wenn Ellie einer frustrierenden, traurigen oder sonst wie schlimmen Situation ausgesetzt wird. Doch auch die gegenteiligen Emotionen sind super umgesetzt, wenn Ellie schöne, zufriedene Momente erlebt. An dieser Stelle stimmt das Paket perfekt und das nicht nur bei Ellie. Auch alle weiteren Charaktere, die im Verlauf der Geschichte eine Rolle spielen sind komplex geschrieben und wirken menschlich, realistisch und greifbar. Ich hatte im Verlauf gar keine andere Wahl, als mitzufiebern und oftmals gingen die Emotionen dann doch mit mir durch. So wächst einem der ein oder andere sehr schnell ans Herz, durch die glaubhafte Art.

Aber nicht nur die Story weiß zu überzeugen. Auch die visuelle Umsetzung des von Bergen umgebenen Jackson oder von Seattle ist extrem gelungen. Gerade Seattle weiß hier deutlich zu überzeugen. Da die Stadt nach dem Ausbruch der Infektion bombardiert wurde, liegt hier alles in Schutt und Asche. Hinzu kommt der Dauerregen, welcher in den zerstörten Straßen Flüsse gebildet hat. Die wenigen, zum Teil sehr düsteren Gebäude, finden sich einige Cordyceps-Infizierte, während auf den Straßen auf Guerillakrieg spezialisierte Banden mit sehr guter Ausrüstung warten. Und auch hier gibt es verschiedene Fraktionen, die sich in einem Krieg um die wenigen Ressourcen und die Vorherrschaft in den Stadtgebieten befinden. Anders als im Vorgänger erwarten uns hier keine lineare Levelschläuche, sondern mehrere riesige Areale. In diesen können wir uns frei bewegen und auch abseits der für die Story wichtigen Wege abschweifen. So kann in jedem Schrank oder Schublade etwas gefunden werden, dass letztendlich als Ressourcen für das wichtige Crafting herhält. Doch nicht nur Ressourcen oder Sammelkarten lassen sich finden – auch eine Cutscene kann entdeckt werden, fernab der Story! Das sind Feinheiten, die das Erkunden interessant gestalten und den ein oder anderen motivieren.

Das Spiel bleibt nicht immer freundlich.

Auch die Rätsel sind zum Teil kreativer geworden, da Ellie agiler ist, als es noch Joel im ersten Teil war. So muss Ellie zum Teil auch klettern, um Wege zu entdecken oder auch versteckte Räume zu finden. Oder man benötigt Strom, um Wege zu öffnen und neue Möglichkeiten freizugeben. Diesen enthält in einer Situation nur, wenn man ein Kabel über einen Zaun wirft und auf der anderen Seite an einer Steckdose anschließt. Alle Rätsel fügen sich organisch in die Welt ein und unterstreichen damit die eigene Glaubwürdigkeit. Optional lassen sich aber auch Einblendungen anschalten, welche mit kleinen Tipps weiterhelfen, wenn man doch einmal keine Ahnung hat, wo es weiter gehen soll.

Sehr schön lässt sich auch die Bewegung spüren. Schmeißt man sich aus dem Lauf auf den Boden, gibt der Playstation-Controller dies durch eine stärkere Vibration wieder. Ebenfalls spürt man eine gewisse Verzögerung in den Folgereaktionen. In den Schleichpassagen werden schnell Ellies neue Fähigkeiten deutlich – so kann man jetzt im hohen Gras krabbeln oder sich unter Autos quetschen. Das nutzt nicht nur zum Verstecken, sondern ermöglicht auch den ein oder anderen Hinterhalt. Mit dem Bogen, welchen man im Verlauf der Geschichte erhält, so lassen sich Feinde unbemerkt ausschalten. Sollte man dann doch mal entdeckt werden, startet eine Art Duellsequenz, in einer Art QuickTime Event eo im richtigen Timing die richtige Taste gedrückt werden muss, damit Ellie ausweicht um dann wieder zum Gegenangriff überzugehen oder um eben zu flüchten. Insgesamt nimmt die Steuerung mehr Dynamik und Geschwindigkeit auf, als noch The Last of Us.

Grundsätzlich ermöglicht The Last of Us Part II auch viele Möglichkeiten für die eigene Taktik. Wie zum Beispiel in Left Behind ist es ebenfalls wieder möglich, Infizierte mit einem geschickten Steinwurf wegzulocken – oder eben auf menschliche Gegner. Während diese sich dann gegenseitig bekriegen, kann man selbst mit Ellie den eigenen Weg fortsetzen. Doch manche dieser Tricks, welche genutzt werden können, müssen erst durch Trainingshandbücher freigeschaltet werden. Hier gibt es auch Zuwachs, anders als beim ersten Teil. Hier findet man einen Haufen sinnvoller Fähigkeiten!

Doch auch romantische Situationen sind möglich.

Wer schneller seine Feinde heimlich töten möchte, der nutzt den Stealth-Zweig. Oder man nutzt gerne Annährungsminen oder ähnliches – dann macht der Gadget-Zweig sinn, um zum Beispiel effektivere Minen zu bauen und den Explosionsradius zu erhöhen. Doch wählt die Fähigkeiten mit Bedacht und entscheidet euch für einen sinnvollen Weg – denn im ersten Durchlauf werden die Skillpunkte nicht reichen. Jedoch kann man alles, was freigeschaltet wurde, ins New Game+ mitnehmen.

Und diese Fähigkeiten werden auch benötigt! Man spürt in den Kämpfen deutlich, wie Naughty Dog an der KI gearbeitet hat. So ziehen Begleiter sinnvoll von Deckung zu Deckung und schleichen auch selbstständig an Feinde um diese dann auszuschalten. Während des Tests hatte ich ein echtes Gefühl von Teamwork zwischen mir und dem KI-gesteurten Begleiter. Nur sehr selten wich dieses gute Gefühl einer leichten Verzweiflung, wenn der Begleiter quasi vor einem Infizierten stand und einfach nichts tat.

Doch nicht nur die eigenen Begleiter sind jetzt intelligenter, sondern auch die Feinde haben weitaus mehr Einfallsreichtum und versuchen, Ellie zu flankieren. Nicht selten hatte ich eine Situation, in der ich mich selbst unter Stress gesetzt fühlte und Fehler machte – weil die Gegner mich umrundet hatten oder sonst wie eine Taktik gegen mich anwendeten. Und selbst wenn man sich dann doch noch in ein Versteck begeben konnte – wissen die Feinde, dass man in der Nähe ist, durchsuchen sie einfach alles. Das setzt unter Druck und zwingt manchmal zum handeln.

Insgesamt überzeugt Naughty Dogs neuestes Werk auf ganzer Linie. Nicht nur ist die Steuerung flotter und angenehmer, auch grafisch und vom Soundtrack her weiß das Spiel zu überzeugen. Doch die größte Stärke ist definitiv die Geschichte mit ihren Charakteren. Auch wenn diese im Internet extrem viel diskutiert wurden und auch ab und an kritisch, ist man gezwungen ihnen den Tiefgang zuzusprechen. Das alles macht The Last of Us Part II zu einem Meilenstein der Spielegeschichte!

Review – The Last of Us Part II – Rachefeldzug durch die Apokalypse
10
Grafik
8.5
Sound
9
Steuerung
8.5
Spiele Spaß
8.5
Preis Leistung
Gesamtwertung 8.9 / 10
Unser Fazit
The Last of Us Part II ist ein faszierendes Meisterwerk. Grafisch überzeugt das Spiel dank modernster Technik und tollen Schauspielern auf ganzer Linie. Dies stärkt auch die Geschichte im Spiel und trägt einen großen Teil des gesamten Feelings bei! Ich muss gestehen, dass ich sonst nicht so der Typ für diese Art von spielen bin - aber nach den ersten Momenten "The Last of Us" konnte ich nicht anders als immer weiter zu spielen und zu erfahren, was mit den ganzen Charakteren und ihren Begegnungen passiert. Somit ist "The Last of Us Part II" definitiv sein Geld wert und liefert eine gute und vollwertige Erfahrung in allen Belangen.

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Aktualisiert am 27. Oktober 2022 06:24
Michael Barkow
Michael Barkowhttps://www.twitch.tv/gutertag_streaming
1989 erblickte ich das Licht dieser Welt - und bereits 1998 entdeckte ich das Zocken; damals noch mit Command & Conquer: Alarmstufe Rot von 1996. Seitdem bekommt mich die Gamingwelt nicht mehr los. 2005 begann dann für mich die Reise in World of Warcraft und die MMO-Szene hatte mich begeistert. Seitdem habe ich vieles gesehen und erlebt und hüpfe immer mal wieder von einem zum anderen MMO, da ich es nie ganz sein lassen kann. Mit meiner 2015 geborenen Tochter habe ich aber etwas gefunden, dass noch mehr Interesse und Begeisterung weckt. Da das Leben mit Familie tagsüber fesselt, habe ich das Streamen und Zocken am Abend für mich entdeckt. Somit bekommt das Zocken weiterhin seinen Platz in meinem Alltag.

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